„Tierhaltung macht mir einfach Freude“

Bernhard Raith hat mit 21 Jahren einen neuen Milchviehstall gebaut und so den Grundstein für seine Zukunft gelegt.

An der Bundesstraße 8 zwischen Pfatter und Geisling in der Oberpfalz in Bayern liegt die alte Moosmühle. Man sieht sie noch, geschützt von kräftigen Erlen und struppigen Haselnusssträuchern, gleich neben dem Wohnhaus der Familie Raith. Das Mühlrad steht allerdings schon lange still. Dort, wo sich vor dem Donaudammbau einst der Mühlbach durch die Fluren „In der Tiefe“ und „Tiefen Wiesen“ schlängelte, grast heute Jungvieh auf der Weide. Es sind die Tiere von Bernhard Raith, der den Betrieb bereits in der dritten Generation als Landwirt bewirtschaftet – und sich dabei ganz bewusst für die Tierhaltung entschieden hat.

„Ende der 80er-Jahre hat mein Vater den Betrieb von meinem Opa mit 19 ha Fläche und 27 Stück Milchvieh übernommen“, sagt der 27-Jährige. Die Größe des Betriebs änderte sich nicht, bis der Junglandwirt 2010 vor der Frage stand, ob er in den Hof einsteigt. Seine Eltern hatten ihm dazu geraten, zuerst eine außerlandwirtschaftliche Ausbildung zu machen, schließlich ging der Trend damals schon eher weg von der Milchviehhaltung. Aber Bernhard wollte unbedingt Landwirt werden. „Das war mein Traum.“

Dass zu diesem Traum auch die Tierhaltung gehört, stand für ihn außer Frage. „Ich wollte schon immer etwas mit Tieren machen. Die Tierhaltung macht mir einfach Freude.“ Außer Frage stand allerdings auch, dass der Betrieb mit 27 Milchkühen in Anbindehaltung nicht zukunftsfähig ist. So hat der junge Landwirt seine Zukunft in die Hände genommen und seine Meisterarbeit dazu genutzt, ein Investitionskonzept zu erstellen.

Natürlich hat er dabei genau abgewogen, ob seine Zukunft wirklich die Milchviehhaltung ist. „Unser Betrieb liegt hier in einer totalen Ackerbauregion mit Kartoffelanbau. In nur 10 km Entfernung ist eine Produk- tionsstätte der Südstärke GmbH. Die Viehdichte ist bei uns demnach sehr gering.“ In den Kartoffelanbau einzusteigen war jedoch für ihn nicht rentabel. „Dafür war die Infrastruktur auf unserem Hof nicht da. Keine Lagerhalle, keine Maschinen, da hätten wir ganz schön investieren müssen.“ Außerdem hätten ihmdie Tiere einfach gefehlt.

Stallbau mit 21 Jahren

Mit Fahrsilo, Güllefass, Mähwerk und Co. waren die Weichen auf dem Betrieb für die Milchviehhaltung gestellt. Das vorhandene Grünland passte ebenfalls wunderbar in Bernhard Raiths Betriebskonzept. Er hat weitere Flächen hinzugepachtet und 2014 mit seinen Eltern einen Laufstall für 65 Kühe gebaut. Dabei legte er besonderen Wert auf die Arbeitswirtschaft, denn die war im alten Anbindestall nicht optimal.

Heute sorgen unter anderem kurze Wege und ein Melkroboter dafür, dass Zeit für andere Sachen bleibt. Zum Beispiel für die weiteren Standbeine des Betriebs: Winterdienst, Legehennenhaltung im Mobilstall sowie Kürbis- und Melonenanbau mit Direktvermarktung. Sie sind nach und nach hinzugekommen und so konzipiert, „dass wir damit von heute auf morgen aufhören können, falls zum Beispiel jemand ausfällt“. Denn ihr Haupteinkommen verdient die Familie Raith mit der Milchviehhaltung, darauf liegt demnach ihr Hauptaugenmerk.

Um mit der Tierhaltung erfolgreich zu sein, sei es wichtig, dass alle Gegebenheiten zusammenpassen, findet Bernhard Raith. „Wenn jemand irgendwo einen Stall hinstellt für 120 Kühe und die Fläche dafür nicht wirklich hat, macht man sich von ganz schön viel abhängig.“ Zudem müsse man sich bewusst sein, „dass an der Tierhaltung Arbeit hängt und man eben nicht so flexibel sei wie Landwirte, die keine Tiere halten“. Seine Betriebsgröße reiche aus, um als Vollerwerbsbetrieb ordentlich wirtschaften zu können. Die Flächen passen zur Tierzahl und der Arbeitsaufwand ist für ihn und seine Eltern gut zu stemmen.

Ob er heute noch einmal bauen würde? „Ich hatte einfach das Glück, dass ich nicht aussiedeln musste. Gerade Erschließungskosten sind ja in den letzten Jahren immens gestiegen. Außerdem habe ich noch vor der neuen Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen gebaut. Ich weiß nicht, ob ich das sonst gemacht hätte. Die Politik steht künftigen Tierhaltern schon sehr im Weg.“

Auch er muss sich den ständig neuen Regeln und Verordnungen anpassen. Das mache eine vernünftige Planung schwer. „Vor drei Jahren haben wir eine neue Güllegrube gebaut. Ich fahre den Ackerbauern immer die Gülle aufs Stoppelfeld, dafür bekommen wir Stroh. Dementsprechend habe ich die Größe der Güllegrube auch ausgelegt. Wären wir jetzt im roten Gebiet, dürften wir das nicht mehr und meine Lagerkapazität hätte nicht gereicht. Hätte ich das davor gewusst, hätte ich die Grube etwas tiefer gebaut.“

Gut aufgestellt für die Zukunft

Die Geschichte ging fürs Erste gut aus und er liegt nicht in einem roten Gebiet. Obwohl es ihn nachdenklich stimmt, welche Regelungen wohl künftig noch auf ihn als Tierhalter zukommen, blickt er zuversichtlich in die Zukunft. „Ich will weiterhin mit den Milchkühen mein Geld verdienen“, sagt der 27-Jährige bestimmt.

In dem Zusammenhang will er erst mal an kleinen Stellschrauben drehen, zum Beispiel Arbeitsabläufe weiter optimieren. Größere Investitionen sind vorerst nicht geplant, auch wenn er verschiedene Optionen in Erwägung gezogen hat. „Ein zweiter Roboter ergibt keinen Sinn. Das bedeutet auch eine gehörige Portion Mehrarbeit. Input und Output würden nicht mehr im Verhältnis stehen. Und auch eine Milchtankstelle kommt in unserem Selbstbedienungshofladen vorerst nicht infrage. Dafür bräuchten wir eine höhere Kundenfrequenz pro Tag.“

So bleibt er seinem Motto treu: Um Erfolg zu haben, muss das Konzept zum Betrieb und zum Menschen passen, egal ob mit oder ohne Tierhaltung. Und mit seinem Betriebskonzept fühlt er gut für die Zukunft aufgestellt. ●

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