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Regionalität in der Box

Das Angebot in Jana Rids Dorfladenbox ist vielfältig. Neben frischen Produkten werden vor allem Marmeladen und Öle gern gekauft.

Auf den Punkt

  • Viele Direktvermarkter erweitern ihr Sortiment mit Produkten aus der Region.
  • Selbstbedienungsläden bieten Kunden die Möglichkeit, rund um die Uhr einzukaufen.
  • Mit ihren Hofladen-Boxen vereinen Martin Grob und Jana Rid beide Aspekte.

Auf dem Parkplatz des Teehauses Meyer im bayerischen Asbach-Bäumenheim steht ein 3 m x 7 m großes Gebäude. Man kann es gar nicht verfehlen, es steht direkt neben dem Rewe-Supermarkt. Eine schwarze Beachflag mit der Aufschrift Schwabenbüffel weht im Wind und lädt dazu ein, das kleine Gebäude zu erkunden.

Bei dem Gebäude handelt es sich um die Büffelbox von Landwirt Martin Grob. „In einem Direktvermarkterseminar habe ich gelernt, dass es nicht verkehrt ist, mit dem Hofladen dorthin zu gehen, wo die Leute sind.“ Genau das hat er gemacht, als er die Büffelbox hier aufgestellt hat. Durch die unmittelbare Nachbarschaft des Supermarkts kommen viele Leute vorbei und somit ist die Chance groß, Kunden für den eigenen Laden zu gewinnen.

Als Konkurrenz zum Rewe sieht sich Martin Grob allerdings nicht, eher „als Ergänzung des Rewe-Sortiments“. Denn was es in seiner Büffelbox gibt, gibt es nebenan nicht: Fleisch und Wurst vom Wasserbüffel, Fruchtaufstriche, Eier, Eierlikör, Nudeln und Dinkelprodukte wie Mehle, Flocken, Gries oder Müsli kommen direkt von den Familienbetrieben der Familie Grob.

Martin Grob vermarktet in seiner Büffelbox eigene Produkte und weitere Lebensmittel aus der Region.

Zukaufprodukte aus der Region wie Kartoffeln, Äpfel, Senf, Essig oder Brotchips komplettieren das Angebot. „Mir ist dabei wichtig, dass möglichst alles, was wir nicht selbst produzieren, aus angrenzenden Landkreisen kommt“, erklärt der Hofladenbetreiber. Zudem schaffen es nur Produkte von Familienbetrieben in seine Regale.

Standort kann wechseln

Hört sich so weit also nach einem ganz normalen Hofladen mit außergewöhnlichem Standort an. Das täuscht allerdings, denn zum einen ist die Büffelbox theoretisch transportabel. „Sie beruht auf der Idee einer Fertiggarage aus Holz. Ein Zimmerer aus der Region hat sie gebaut. Sollte der Standort hier aus irgendeinem Grund einmal nicht mehr infrage kommen, können wir sie einfach per Tieflader woanders hinbringen.“

Zum anderen handelt es sich bei der Büffelbox um einen Selbstbedienungsladen, bei dem Martin Grob seinen Kunden eine gehörige Portion Vertrauen entgegenbringt. Wer den Laden betreten will, braucht die dazugehörige App, in der er diverse Daten hinterlegt. Klickt der Kunde auf „einchecken“, erscheint ein QR-Code. Den hält er dann an den Türscanner der Büffelbox und darf eintreten.

Das Einkaufen funktioniert ähnlich: Jedes Preisschild ist mit einem QR-Code ausgestattet. Der Kunde scannt ihn und bezahlt anschließend mit der Zahlungsmethode, die er in der App hinterlegt hat. Lastschrift, PayPal, Kreditkarte oder Barzahlung sind möglich. Mit Kunden, die sozusagen die Zeche prellen, gibt es laut Martin Grob keine Probleme – was vermutlich eben auch an der Zugangsbeschränkung liege. „Diejenigen, die sich die App runterladen, sind ja auch wirklich daran interessiert, etwas zu kaufen, und geben ihre Daten preis.“

3 x 7 m groß ist Martin Grobs Büffelbox und bietet auf engstem Raum Platz für frische Produkte ebenso wie für ein großes Trockensortiment.

Das Konzept der Büffelbox in Asbach-Bäumenheim ist in Zusammenarbeit mit dem regionalen Appentwickler Lokbest entstanden. „Die sind auf mich als Landwirt zugekommen, weil sie eine Plattform für regionale Vermarkter gründen wollten. Und ich hatte grundsätzlich immer schon die Idee, die vielen tollen Schätze, die unsere Region an Lebensmitteln direkt vom Landwirt zu bieten hat, in meinem Hofladen anzubieten.“ So kam eins zum anderen: Er überlegte in Richtung Laden, Lokbest überlegte in Richtung App. „Die App haben die Entwickler grundsätzlich so flexibel konzipiert, dass sie in jedem beliebigen Laden oder auch in bestehenden Hofläden eingesetzt werden kann. „Nach ein paar Abstimmungsrunden und ganz viel Herzblut auf beiden Seiten entstand dann das Konzept der Büffelbox, wie wir es heute umsetzen“, fasst Martin Grob zusammen.

Kunden aller Altersklassen

Mit diesem Konzept spricht die Büffelbox übrigens nicht nur jüngeres Publikum an, wie man vielleicht vermuten würde. „Wir haben hier auch durchaus rüstige Rentnerinnen, die regelmäßig zum Einkaufen kommen und über die Produktanzeige in der App ganz genau wissen, was es Neues gibt.“ In der App kann man nicht nur sehen, was es gibt, sondern auch, ob ein Produkt überhaupt noch verfügbar ist. Das ist auch praktisch für Martin Grob, der so genau weiß, was es aufzufüllen gilt und was er somit bei seiner täglichen Büffelbox-Kontrolle ins Auto packen muss.

Dem Landwirt ist wichtig, alle Produkte selbst aufzufüllen, auch die Produkte der zuliefernden Familienbetriebe. „So bin ich nicht von der Verlässlichkeit der Lieferanten abhängig und weiß genau, dass die Produkte regelmäßig aufgefüllt werden und den Kunden stets das gesamte Sortiment zur Verfügung steht. Das hilft in Sachen Kundenbindung“, sagt Martin Grob und lässt seinen Blick durch seinen Laden schweifen.

Er ist stolz darauf, was er geschaffen hat, und freut sich darüber, dass seine Kunden das Angebot so gut annehmen. Seit er die Box im Dezember 2021 in Betrieb genommen hat, deckt der Umsatz die täglichen Kosten. Um den Erfolg zusätzlich zu steigern, hat er bereits einen Radiobeitrag umgesetzt und plant darüber hinaus einen Tag der offenen Tür. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja schon bald an einem weiteren Standort die nächste Büffelbox. (dg)


Dorfladenbox: viel Auswahl im Container

Ein ganz anderes System bietet Jana Rid im bayerischen Untermeitingen an. Mitten im Neubaugebiet neben dem Edeka-Markt steht ein auffälliger Schiffscontainer mit Glasfront: die Dorfladenbox. Hier finden Kunden in Kühlschränken und Regalen eine Auswahl von über 450 regionalen Lebensmitteln – von Wurst, Käse und A2-Milch über Marmeladen und Öle bis hin zu saisonalem Obst und Gemüse. „Wir bieten Produkte des täglichen Bedarfs an, welche für den Wocheneinkauf benötigt werden“, rklärt Betreiberin Jana Rid. „Etwa acht Hofläden fahren Kunden in der Regel an, um einen regionalen Wocheneinkauf zu erledigen – den Weg sparen wir den Kunden.“

Jana Rid hat ihre Dorfladenbox im Dezember 2021 eröffnet und ist zufrieden mit den ersten Monaten.

Untermeitingen ist der erste deutsche Standort der Dorfladenbox. In Österreich gibt es bereits zehn dieser Boxen. Die 34-Jährige hat die Box gemeinsam mit ihrem Mann Mitte Dezember 2021 in Betrieb genommen. Die fertige Box mussten die Rids kaufen. Das Konzept, das Warenverwaltungssystem, die automatische Abrechnung und die App stellt das Unternehmen Dorfladenbox aus Österreich per Franchise zur Verfügung.

Ausschließlich Ware aus der Region

Die angebotenen Waren stammen von Lieferanten und Produzenten aus der näheren Umgebung. Aktuell sind es 34. „80 Prozent der Waren kommen aus einem Umkreis von maximal 20 km. Nur ein paar Besonderheiten kommen von weiter, zum Beispiel das Bier“, erläutert Jana Rid. „Wir haben die Grenze bei 50 km gesetzt. Weiter wäre für uns nicht mehr regional. Das unterscheidet uns von den großen Märkten.“ Schön sei, dass dadurch jede Box ein anderes Sortiment habe. „Eben sehr regionaltypisch. Die Lebensmittel sind daher auch sehr saisonal, es gibt das, was gerade in der Region wächst oder noch im Lager ist.“

Den Standort haben Rids sehr bewusst gewählt. Die Zustimmung des Bürgermeisters hatten sie schnell – bis auf einen ungefähr zwei Parkplätze großen Stellplatz und einen Stromanschluss braucht die Box nichts. Die Nähe zum Edeka-Markt sieht Jana Rid nicht als Konkurrenz, sondern als sinnvolle Ergänzung. „Dort können die Kunden kaufen, was sie bei uns nicht finden, zum Beispiel Toilettenpapier.“

Einlass in die Box bekommt nur, wer vorher die Dorfladenbox-App herunterlädt und dem SEPA-Lastschriftverfahren zustimmt. An der Tür gibt es einen Scanner, vor den man sein Smartphone hält. Dann öffnet sich die Glastür. Die Lebensmittel drinnen sind alle mit Preis, Herkunft und einem QR-Code ausgezeichnet. Scannt man den, landet das Produkt im virtuellen Warenkorb. Nach Abschluss des Einkaufs wird der Betrag aufs Kundenkonto gebucht. Abgerechnet wird zum Monatsende, eingezogen zur Mitte des nächsten Monats. „Das ist für alle übersichtlicher, als jede Wurst und jedes Stück Käse einzeln zu berechnen“, erläutert Rid. Die Kunden bekommen außerdem eine Rechnung an ihre E-Mail-Adresse geschickt – alles automatisiert.

Individuelle Absprache

Den Preis für die einzelnen Lebensmittel legen die Lieferanten fest. Die Rids haben mit ihnen vereinbart, dass die Produkte für ungefähr den gleichen Preis oder nur wenig mehr als im eigenen Hofladen angeboten werden. Für das Angebot in der Box erhalten die Rids eine Provision, die mit jedem einzeln ausgehandelt wird. „Uns ist wichtig, dass es für beide Seiten passt“, sagt Jana Rid. „Wir kennen ja die Höfe und die wiederum kennen sich untereinander. Oft bekommen wir von den Landwirten eine Empfehlung, wer noch tolle Produkte hat. Es ist ein toller Zusammenhalt.“

Hofläden und Box sollen keine Konkurrenz sein, sondern sich ergänzen. Auch die Rids bieten Eier und Nudeln von ihren 500 Freilandhühnern sowohl hier als auch in ihrem Eierhäuschen an der eigenen Hofstelle wenige Kilometer entfernt an. Die Idee für die Box kam ihnen im August bei ihrem Urlaub in Österreich.

„Ich hatte schon länger den Wunsch, den Kunden neben unseren Eierprodukten auch andere Waren anbieten zu können“, sagt Jana Rid. „Außerdem ist das mit den Eiern so, dass man immer zu viele oder zu wenige hat – wirklich passen tut es nie.“ Sie lacht. Im Urlaub haben sie eine Dorfladenbox besichtigt und einen Termin mit den Betreibern gemacht. Nur vier Monate später eröffneten sie ihre eigene Box.

Jana Rid ist mit den ersten Monaten als Boxbetreiberin zufrieden. „Wir hatten einen super Dezember. Januar und Februar waren erwartungsgemäß schwächer“, fasst sie zusammen, „aber wenn es weiter so läuft, können wir uns durchaus weitere Standorte vorstellen.“ (jls)

Dagmar Deutsch und Julia Schürer

Redaktion Magazin

E-Mail: magazin@agrarheute.com

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