Selbst gemischt

Helge Niedringhaus ist sich bewusst, wie wichtig das Futter für seine Tiere ist.

Auf den Punkt

  • Helge Niedringhaus aus Petershagen hält 750 Sauen und zieht die Ferkel auf.
  • Besonderes Augenmerk legt er auf die Futterrationen, die größtenteils selbst gemischt sind.
  • Mit einem speziellen Ergänzer hat er es geschafft, dass seine Ferkel noch fitter sind.

Spielstunde im Flatdeck: Von den Besuchern, die mit Helge Niedringhaus das Abteil betreten haben, lassen sich die Ferkel nur kurz ablenken, dann beginnt das große Toben. Die Ferkel rennen die Rampe zur erhöhten Ebene hoch und runter, einige springen die letzten Zentimeter sogar runter. „Jetzt macht die tägliche Tierkontrolle wieder richtig Spaß“, sagt Niedringhaus.

Der 36-jährige Schweinehalter aus Petershagen (Nordrhein-Westfalen) hält 750 Sauen und zieht die Ferkel auf, bevor er sie über die Erzeugergemeinschaft Osnabrück an sechs angeschlossene Betriebe vermarktet (siehe Tabelle „Der Betrieb Niedringhaus“). Dazu hat er im Jahr 2010 ein neues Flatdeck im Außenbereich gebaut.

Ferkelgesundheit im Blick

„Leider hatten wir hier von Beginn an Probleme mit der Ferkelgesundheit. Acht Jahre haben wir uns regelmäßig mit Streptokokkeninfektionen herumgeschlagen“, sagt Helge Niedringhaus. Zum Glück seien es nie die große Ausfälle gewesen. „Wir betreuen die Ferkel sehr intensiv und sind mindestens vier Stunden am Tag im Flatdeck. Sonst hätten wir wohl noch höhere Verluste gehabt.“

Vorher haben der Tierarzt, die Berater und er zig Säurepräperate ausprobiert und mit viel Aufwand bestandsspezifische Impfstoffe entwickelt, aber nichts habe geholfen.

Das Einzige was ging: antibiotisch zu behandeln. „Das war und ist nicht unser Ziel. Heute würde es auch gar nicht mehr gehen, Stichwort Antibiotikadatenbank.“

Der Schweinehalter hat also weiter gesucht und überlegt, wo er Hilfe finden könnte. „Über unseren Tierarzt kam dann der Kontakt zum Fütterungsberater Edgar Rinke zustande.“ Seit gut drei Jahren arbeiten die beiden nun zusammen. Der Fütterungsexperte hat erst mal die komplette Ration der Ferkel neugestaltet. Jetzt basiert sie auf Getreide, Ackerbohnen und rund 8 Prozent Mais. „Wichtig ist ein pH-Wert von unter 5“, sagt Edgar Rinke. Das funktioniere nur mit organischen Säuren wie Ameisen- oder Zitronensäure. Außerdem setzt er auf einen hohen Anteil an Rohfaserkomponenten wie extra aufgeschlossene Sojaschalen. „Die Idee ist, den Druck durch unerwünschte Bakterien im Darm, soweit es geht, zu verringern.“ Zusätzlich sorgt unter anderem die Sojavollbohne für hochverfügbare Proteinquellen und somit genügend Energie.

Helge Niedringhaus spricht mit Berater Edgar Rinke (re.) die Rationen ab.

„Es gibt aber nicht die eine passende Ration für Aufzuchtferkel“, sagt der Berater. „Jeder Betrieb ist anders. Jede Rationen passe ich deshalb immer individuell an.“

Dabei darf der Geschmack, vor allem des Ferkelfutters, nicht leiden.

Niedringhaus hat erkannt, dass das Futter eine große Stellschraube ist. Deshalb legt er sehr viel Wert auf das Futtermanagement. Er setzt im gesamten Betrieb auf Trockenfutter. „Wir bauen das Getreide zum überwiegenden Teil auf unseren eigenen Flächen an. Bereits auf dem Feld gehen wir sorgfältig vor, zum Beispiel in Hinblick auf die Fungizidbehandlung der Gerste und des Weizens.

Wichtig sei auch, es sauber und gereinigt einzulagern. „Wenn die Spelzen und der Kaff rauskommen, reduziert man die Schimmelpilze erheblich. Außerdem reinigen wir das Getreide vor dem Mahlen noch ein zweites Mal.“ Nichtsdestotrotz wird die gesamte Ernte im Herbst auf Inhaltsstoffe und Mykotoxine untersucht. Zur Sicherheit enthalten alle Futter Mykotoxinbinder.

In den ersten Tagen erhalten die Ferkel im Flatdeck einen flüssigen Prestarter, damit sie möglichst schnell ans Fressen kommen.

Selbst angebaut

Zusätzlich baut der Landwirt Körnermais und Ackerbohnen an. Die Sauen füttert er bereits zehn Jahren komplett ohne Sojaschrot. Sie erhalten die nötigen Proteine über zugekauftes Rapsschrot und die Ackerbohnen. „In der Ferkelration dürfen wir aber nicht zu viel Bohnen einsetzen, da brauchen wir noch etwas Soja, sonst reduziert sich die Futteraufnahme.“

Neben dem Rapsextrationsschrot kauft Niedringhaus auch alle anderen Einzelkomponenten zu – immerhin 26 – und mischt die Rationen selbst. „Wir fahren hier sicher keine 08/15-Mischung. Es sind schon einige spezielle Komponenten wie Fischmehl als tierisches Protein im Laktationsfutter enthalten, in meinen Augen die leichteste und bestverfügbare Quelle für Sauen. Aufgeschlossene Leinsamen unterstützen die Darmpassage und helfen ebenfalls, die Darmflora gesundzuhalten. „Ich hatte hier am Standort mit der Ferkelaufzucht im letzten Jahr die Möglichkeit, eine große Halle zu bauen und den Platz für die nötigen Lagerflächen und Silos sowie die komplette Mahl- und Mischtechnik zu schaffen. Jetzt können wir die gesamte Jahresmenge der Einzelkomponenten auf einen Schlag zukaufen und einlagern.“

Bei den Melasseschnitzeln kann Helge Niedringhaus also zum Beispiel zum günstigen Zeitpunkt – direkt in der Zuckerrübenkampagne – kaufen. So hat er über ein Jahr gesehen auch immer gleichbleibende Qualität. „Das wir seit einem Jahr alle Rationen für die Sauen und Ferkel selbst mischen und lagern, hat uns bei der Tiergesundheit und den Leistungen noch mal einen ordentlichen Schub gegeben.“

Spezielles für die Ferkel

Für die Ferkel wäre es noch komplizierter, die verschiedenen Prestarter und Aufzuchtfutter komplett aus Einzelkomponenten selbst zu mischen. Hier kauft der Schweinehalter unter anderem einen Ergänzer zu, der das Produkt C-Vita von Nuscience enthält. „Dank der Futterumstellung und des neuen Ergänzers haben wir die Streptokokkenproblematik endlich in den Griff bekommen. Wir konnten die Verluste im Flatdeck von etwa 2 auf 1 Prozent verringern.“

Der Futtermittelberater empfiehlt zur Prävention gegen Strepto- und Staphylokokken 1 kg C-Vita pro Tonne Futter. Generell helfe dies, grampositive Bakterien in Schach zu halten. Die enthaltenen mittelkettigen Fettsäuren (MKFS) passieren die Zellmembranen der unerwünschten Bakterien und „versalzen“ diese, bildhaft gesprochen.

Außerdem gelangen die MKFS durch die Darmwand ins Blut. Dort beeinflussen sie die Qualität der neutrophilen Granulozyten positiv. Dabei handelt es sich um eine Art der weißen Blutkörperchen, die Teil der Immunabwehr sind. „Deshalb setzen viele Schweinehalter den Ergänzer auch im Sauenfutter ein. Er führt zu mehr Immunoglobulinen in der Kolostralmilch, ein Vorteil für die Saugferkel“, sagt Edgar Rinke.

„Es ist aber kein Wundermittel“, sagt Niedringhaus. Wichtig war es zunächst, die Futterrationen zu optimieren. „Ich habe zunächst einfach nur den Ergänzer mit in die alte Mischung aufgenommen. Das hat zu wenig gebracht.“ Der Landwirt gibt offen zu, dass er sich zu Anfang etwas schwergetan hat, weil das veränderte Futter mit den speziellen Komponenten plus dem Ergänzer ziemlich teuer ist. „Das sehe ich in allen Vergleichen. Pro Dezitonne ist unser Ferkelfutter unter den teuersten, obwohl wir das eigene Getreide haben.“

Trotzdem habe sich die Umstellung direkt ab dem ersten Durchgang gelohnt. „Es macht sich bezahlt.“ So ging die Anzahl der Ferkelbehandlungen deutlich zurück und die Tierarzneimittelkosten sind stark gesunken. Antibiotika brauche er nur noch selten und wenn, dann würden einzelne Tiere behandelt, aber keine ganzen Gruppen.

„Vor allem danken es einem aber die Tiere selbst“, so Helge Niedringhaus, „Früher fanden wir fast bei jedem Durchgang ein Ferkel mit hohem Fieber, das auf der Seite lag und ruderte“. Diesen Tieren könne man meist gar nicht mehr helfen, weil die Infektion so schnell verlaufe. So habe man schon mal die Motivation verloren.

„Das ist jetzt zum Glück ganz anderes! Ich gehe wieder gerne und mit einem ruhigeren Gefühl zur Tierkontrolle ins Flatdeck, weil die Sorge weg ist, ständig ein fieberndes Tier zu finden“, sagt der Sauenhalter. Höhere Leistungen erzielt er durch die Umstellung zwar nicht, aber er konnte die Verluste um die Hälfte reduzieren und auf Bestandsbehandlungen verzichten.

Der Schweinehalter schaut sich im Flatdeck um, wo die Ferkel inzwischen fertig sind mit Toben. Satt und zufrieden liegen sie ruhig in ihren Buchten. Zufrieden ist auch Helge Niedringhaus mit seiner Entscheidung, die Futterrationen zusammen mit dem Experten umgestellt und das Mischen so weit wie möglich selbst in der Hand zu haben. ●

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