Imker fragen Imker

Bieneneier – mehrfach abgelegt oder auch heruntergefallen

Mehrfache Eiablage im Drohnenrahmen, ist das normal?

Bärbel Schermer aus 80997 München fragte in der Juniausgabe: Ich bin seit etlichen Jahren Hobbyimkerin und arbeite dabei mit meinem Vater zusammen, der bereits seit 40 Jahren imkert und mir bisher eigentlich immer meine Fragen beantworten konnte. Doch vergangene Woche waren wir beide ratlos: Bei der Durchsicht eines vermeintlich weisellosen Volkes (das aber dann doch ein kleines Brutnest aufwies), das uns kürzlich zwei Anfänger zur Übergangspflege gebracht haben, entdeckten wir im Drohnenrahmen in jeder Zelle eine mehrfache Eiablage, und zwar 2-7 Eier! Das hatten wir noch nie gesehen. Ist das normal? Und wie kommt sowas zustande?

Sind Bieneneier auf dem Bodenschieber normal?

Lothar Schmidt aus 76534 Baden-Baden schrieb in der Maiausgabe: Seit ich imkere (Hobby), sind mir noch nie Bieneneier im Gemüll aufgefallen. Dieses Jahr das erste Mal und nur bei einem Volk und dann gleich etwa 50 Stück pro Tag. Das Volk verhält sich im Übrigen völlig normal.

Während wir zur ersten Frage zwei Zuschriften erhielten, werden wir die zweite selbst beantworten.

Tanja Zidon, Bodman am Bodensee, meint: Soweit ich es erkennen kann, liegen die Eier auf dem Foto von Bärbel Schermer zum Teil eher seitlich als mittig in der Zelle. Das deutet auf Drohnenmütterchen hin, da diese mit ihrem kürzeren Hinterteil oft den Zellboden nicht erreichen und gerne mehrfach bestiften.

Wenn die meisten Eier eher mittig liegen, kann es sich auch um eine junge Königin handeln, die es noch nicht ganz raushat und die Zellen mehrfach bestiftet.

Marco Barthelmann, 90530 Wendelstein, Mittelfranken, denkt, dass sich im weisellosen Volk eine oder mehrere Afterweiseln (auch Drohnenmütterchen) gebildet haben. Wenn ein Volk über einen längeren Zeitraum weisellos ist und auch keine junge Brut vorhanden ist, um eine neue Königin nachzuziehen, ist das Volk (ohne die Hilfe eines Imkers) verloren. In ihrer Not bilden dann einige Arbeiterinnen ihre rudimentären Geschlechtsorgane aus und beginnen Eier zu legen. Da diese Afterweiseln aber keinen Begattungsflug gemacht haben, können sie nur unbefruchtete (Drohnen-)Eier legen. Dieser Zustand ist für den Imker etwas schwierig, da die Arbeitsbienen auf einer zugehängten Brutwabe mit jungen Larven nicht zwangsläufig eine Königin aufziehen. Sie gehen schließlich davon aus, es wäre eine im Volk.

Sofern die Eier in Arbeiterinnenzellen liegen, entwickelt sich ein „buckelbrütiges“ Brutnest. Die Larve des größeren Drohns hat nicht genug Platz in der Zelle und wird daher von den Pflegebienen nach oben erweitert, sodass ein halbkugelförmiger Wachsdeckel entsteht. Während die Königin das Ei mittig auf den Zellenboden legt, legen die Afterweiseln die Eier teilweise an den Rand der Wabe, kleben sie an die Zellenwand oder legen mehrere Eier in eine Zelle.

Um so ein Volk zu retten, müsste man die Afterweiseln aus dem Volk entfernen. Dies ist nicht einfach, da sie sich optisch nicht von anderen Arbeiterinnen unterscheiden. Möglich wäre, alle Bienen aus dem Stock in der Nähe der Beute in hohes (evtl. regennasses) Gras abzustoßen, die Waben mit Buckelbrut, Larven und Eiern auszuscheiden und einzuschmelzen und die Beute an ihren alten Standort zurückzustellen. Die Flugbienen arbeiten sich aus dem Gras nach oben und kehren zu ihrer Beute zurück. Die Afterweiseln sind durch die Geschlechtsorgane etwas schwerer und können sich nicht nach oben arbeiten bzw. zurückfliegen. Wenn man nun eine Wabe mit junger Brut gibt, werden sich die Bienen daraus eine neue Königin nachziehen. Da das Volk nun erstmal nur sehr wenig Brut zu versorgen hat, können die Bienen fleißig auf Nektarsuche gehen. Bei guter Trachtlage und wenn das Volk noch stark war, kann durchaus auch Honig geerntet werden.

Armin Spürgin: Die Eiablage bei Drohnenbrütigkeit und wie man damit umgeht, wurde von unseren Lesern gut beschrieben. Zu ergänzen wäre, dass die Eier von Drohnenmütterchen, nicht nur unregelmäßig am Zellboden und oft auch an den Zellwänden angeheftet, sondern auch verschieden groß sind. Viele sind sichtbar dünner als Stifte einer Königin. Sicher kann bei einer Mehrfachbelegung der Zellen auch ein Defekt der Königin zugrunde liegen. Häufig findet aber eine vitale Stockmutter einfach zu wenig Platz für ihre Eier. Etwa in einem zu engen Begattungskästchen. Oder es fehlt es einem schwach ausgewinterten Frühjahrsvolk an Bienenmasse, um der Königin genügend Platz zur Eiablage zu bieten. Diese Eier sind dann aber gleich groß und am Zellboden abgelegt, nicht alle mittig, denn dort hat natürlich nur ein Ei Platz. Mir ist jedoch nicht bekannt, dass sich aus einer Doppelbelegung „Zwillingsbienen“ in einer Zelle entwickeln würden. Demnach entfernen die Pflegebienen die überzähligen Eier. Teilweise wohl auch erst später, denn hin und wieder findet man auch zwei Larven in einer Zelle. Außerdem soll erwähnt werden, dass Drohnenmütterchen vorwiegend Arbeiterinnenzellen, nicht selten auch Weiselnäpfchen bestiften. Gelegentlich findet man sogar Stifte auf Pollenzellen abgelegt, was an die Vorgehensweise der Wildbienen erinnert. Werden solche überzähligen Eier von den Bienen gefressen oder einfach ausgeräumt?

An die Zellwand geklebte Stifte stammen eindeutig von einem Drohnenmütterchen, was besonders gut auf einer dunkleren Wabe zu sehen ist.

Hin und wieder findet man auch eine zweite Larve in einer Zelle, die später von den Pflegebienen entfernt wird.

Mehrfachbelegung durch eine Königin (hier in 3 Zellen) erkennt man an der regelmäßigen Größe der Eier und ihre Ablage am Zellboden. Mittig kann nur das erste Ei abgelegt werden.

Unser Leser Lothar Schmidt fand jedenfalls Ende vergangenen Winters im Gemüll eines Volkes täglich bis zu 50 Eier. Aus meiner Imkerpraxis ist mir das Phänomen ebenfalls bekannt. Vielleicht stammten sie aus einer Mehrfachbelegung?

Lothar Schmidt schrieb mir kurze Zeit später über seine erste Frühjahrsnachschau: „Eine Königin war nicht zu finden, das Restvolk war leider buckelbrütig. Somit erschien mir als beste Lösung, das Volk aufzulösen.“ Findet man künftig Eier im Wintergemüll, sollte man sich das Volk merken und im Frühjahr schauen!

Was den Umgang mit drohnenbrütigen Völkern angeht, plädiere ich dafür, die abseits ins Gras gefegten Bienen den Restvölkern zufliegen zu lassen. Die Drohnenmütterchen finden wohl auch deshalb den Weg nicht zurück, weil sie schon länger oder noch nie ausgeflogen sind, ihren Standort also nicht kennen.

Die Bienen in so einem Volk sind doch meist alt und es dauert zu lange, bis eine selbstgezogene Königin aus einer zugehängten Brutwabe in Eiablage geht. Das kann man allenfalls bei einem sehr starken Volk riskieren. Auch das Zusetzen einer neuen Königin ist zu riskant. Dem Vernehmen nach soll ein drohnenbrütiges Volk allenfalls eine vorjährige Königin annehmen. Aber wer hat schon letztjährige Königinnen übrig?

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