Kritik an verfehlter Agrarpolitik

Sie alle kamen zum 20-jährigen Jubiläum: (v. l.), Landrat Albert Gürtner, Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker, der Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter Anton Dippold, Bayerns BDM-Vorsitzender Manfred Gilch, die ABL-Vorsitzenden Isabella Hirsch und Josef Schmid, Richard Mergner (BN Bayern), Oberbayerns BBV-Bezirkspräsident Ralf Huber, Matthias Luy (LBV) und Rupert Ebner, Tierarzt und Buchautor.

Zum damals 10-jährigen Jubiläum titelte die Presse, mehr als ein Jubiläumsfest sei es der „Geburtstag einer Lebenshaltung“. Jetzt feierte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Bayern ihr 20-jähriges Jubiläum und legte laut AbL-Pressemitteilung noch eins drauf: mit einem zweitägigen Fest auf dem Doimerhof samt Strohschwein, Diskussionen und Konzert von Hans Well und den Wellbappn.

In der AbL schlossen sich im April 2001 sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern zusammen. Sie wollen, wie AbL-Geschäftsführerin Andrea Elisabeth Eiter in einer Mitteilung schreibt, „den weiteren Weg in eine industrielle Landwirtschaft nicht mitgehen“ und setzten sich für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft vor Ort und weltweit ein.

Für Anton Dippold, Leiter der Bayerischen Staatsgüter, kennzeichnet die AbL kreatives Denken in mehrere Richtungen. Sie zeige, dass Brücken zwischen Landwirtschaft, Ökologie und Naturschutz gebaut werden können. Manfred Gilch vom BDM hob hervor, dass BDM und AbL sich bei wichtigen Positionen unterstützen. Oberbayerns BBV-Bezirkspräsident Ralf Huber betonte, dass es den Zusammenhalt unter den landwirtschaftlichen Organisationen brauche. Auch wenn BBV und AbL „nicht immer einer Meinung“ seien: Entscheidend seien die gemeinsamen Ziele. Die Bereitschaft der AbL, mit zahlreichen Organisationen zusammenzuarbeiten sei „sehr fortschrittlich“.

Beim Jubiläum kamen auch agrarpolitische Themen nicht zu kurz. Den Anfang machte Michael Weichselbaumer vom Doimerhof. Vier Standbeine machen seinen Hof resilient gegenüber Krisen, sagte er: Die Strohschweinehaltung mit 95 % eigenem Futter, die Biogasanlage, Ackerbau mit breiter Fruchtfolge und Hopfenanbau. Die Vermarktung läuft über enge Metzgerkontakte, Direktvermarktung (auch online) und den Wochenmarkt. Die Weichselbaumers waren Mitbegründer der Regionalmarke Pfaffenhofener Land und stellen den Hof gerade auf Ökolandbau um. Der Schweinestall wurde so gebaut, dass sie „keine Schraube ändern“, sondern nur weniger Tiere pro Bucht halten müssen.

Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, kritisierte in seiner Laudatio die „verfehlte Agrarpolitik“. Das Bauernsterben sei politikgemacht. Er forderte mehr Honorierung der bäuerlichen Naturschutzleistungen und faire Lebensmittelpreise. So auch Tenor der Podiumsdiskussion mit Bayerns AbL-Vorsitzendem Josef Schmid.

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