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Dauerhafter Schutz

Störender Begleitwuchs kann weiterhin entfernt werden

Als gelernter Forstwirt und selbstständiger Forstunternehmer hat Thomas Groos im Laufe der Jahre zahlreiche Erfahrungen mit Einzelschutzmaßnahmen gegen Verbiss- und Fegeschäden an Forstkulturen gesammelt. Die bisherigen Systeme konnten ihn aber nicht überzeugen. Die Schutzvorrichtungen bestehen meistens aus mehreren Teilen und müssen vor Ort zeitaufwändig zusammengebaut werden. Die Wuchshüllen reichen bis zum Boden und machen es darum sehr schwer, störenden Begleitwuchs im Rahmen der Kulturpflege zu entfernen. Bei Schutzvorrichtungen aus Draht- oder Kunststoffgeflecht wachsen die Seitenäste der Jungbäume mit der Zeit durch die Maschen, weshalb die Hüllen beim Abbau sehr arbeitsintensiv herausgeschnitten werden müssen. Wuchshüllen aus Plastik erzeugen außerdem im Inneren ein feuchtwarmes Mikroklima mit wenig Luftaustausch, das schädlichen Pilzen gute Lebensbedingungen bietet. Thomas Groos hat beim Abbau von Wuchshüllen aus Kunststoff die Erfahrung gemacht, dass die geschützten Jungbäume fast alle Rindenschäden im unteren Stammbereich aufweisen, die aus seiner Sicht auf das veränderte Mikroklima zurückzuführen sind.

Die Seitentriebe wachsen durch das Kunststoffgeflecht und erschweren dadurch den Abbau

Der GroMM-Einzelschutz bewahrt eine junge Eiche vor Verbiss- und Fegeschäden

Mikroplastik

Nicht zuletzt müssen die Schutzvorrichtungen nach einigen Jahren auch wieder abgebaut und entsorgt werden, was wie bereits geschildert, nochmal sehr zeitaufwändig sein kann. Biologisch abbaubare Wuchshüllen stellen dabei auch keine echte Alternative dar, weil die Kunststoffe zwar unter den kontrollierten Bedingungen einer Kompostierungsanlage zersetzt werden, unter natürlichen Bedingungen im Wald aber viel schwerer abbaubar sind und irgendwann als Mikroplastik zurück in die Nahrungskette gelangen. Aus diesem Grund will z.B. PEFC-Deutschland den Einsatz von Kunststoffprodukten im Wald verringern. Die neuen Standards sehen vor, dass möglichst Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet werden, zumindest sollen keine erdölbasierten Materialien mehr zum Einsatz kommen. Auch das bayerische Landwirtschaftsministerium geht in diese Richtung und will die staatliche Förderung kunststoffbasierter Schutzvorrichtungen in den kommenden zwei Jahren schrittweise einstellen.

Der GroMM wird behutsam über den Sprößling gestülpt …

… und mit dem Fuß in den Boden gedrückt.

Thomas Groos hat daher den Entschluss gefasst, ein besseres Produkt auf den Markt zu bringen.Gemeinsam mit Maschinenbautechniker Michael Müller, der die Grundidee bis zur Patentreife verfeinerte, hat er unter dem Namen „GroMM“ einen Verbiss- und Fegeschutz aus feuerverzinktem Stahl entwickelt, der viele Vorteile vorweisen kann. Die Konstruktion besteht im Wesentlichen aus einem zentralen Holm, an dem abwechselnd v-förmige Rundeisen und rautenförmige Flacheisen angeschweißt sind. Die Raute ist an einer Seite offen und das Material gibt federnd nach, so dass ein Einwachsen im Stamm ausgeschlossen ist. Beim Aufbau wird der Stahlschutz einfach über die zu schützende Pflanze gestülpt und ohne weiteres Werkzeug mit dem Fuß im Boden verankert. Das dauert laut KFW-Prüfbericht nur etwa 40s pro Stück, inklusive einer durchschnittlichen Wegstrecke von 50m für den Transport der Schutzkonstruktion. Ein GroMM wiegt 3 780g und für den Aufbau kann ein Forstarbeiter jeweils vier Stück geleichzeitig auf die Kulturfläche tragen. Der Abbau ist genauso einfach und schnell, indem der Schutz aus dem Boden gezogen und mit der offenen Seite seitlich vom Baum abgezogen wird. Die federnde Konstruktion verursacht dabei keine Schäden an den jungen Bäumen.

Stahl statt Kunststoff

Neben der schnellen und ergonomisch günstigen Handhabung bietet die offene Konstruktion die weiteren Vorteile, dass sich kein schädliches Mikroklima entwickeln kann und dass der GroMM genug Bodenfreiheit hat, um störenden Begleitwuchs beispielsweise mit einer Heppe problemlos entfernen zu können. Herauswachsende Seitenäste können zwar vom Wild verbissen werden, aber das gefährdet nicht den Kulturerfolg, solange der obere Leittrieb geschützt ist. So bleiben die Kulturpflanzen über den gesamten Schutzzeitraum effektiv gegen Verbiss- und Fegeschäden geschützt und nach dem Abbau ist der Stahlschutz sofort wieder an anderer Stelle einsetzbar. Mit einer Lebenserwartung von rund 20 Jahren kann der GroMM also mindestens dreimal eingesetzt werden und ist am Ende zu 100 % recyclebar.

Eine langlebige und plastikfreie Alternative, die dem Prinzip der Nachhaltigkeit zur Ehre gereicht

Der GroMM ist in zwei Ausführungen erhältlich: Der „normale“ VS1200S mit einer Gesamtlänge von 1,20 m und der für Rotwildgebiete vorgesehene VS1700S mit einer Höhe von 1,7 m, wobei jeweils 10 cm von der Gesamtlänge in den Boden gedrückt werden. Die Mindestabnahme für den normalen GroMM beträgt 144 Stück, die auf einer Palette geliefert werden und dann mit jedem Anhänger oder auf jeder Ladefläche zum Einsatzort weitertransportiert werden können.

Nicht billig aber wirtschaftlich

Ein GroMM kostet dann rund 25€, was im ersten Moment teuer klingt.Man bekommt dafür aber auch knapp 4 kg robusten Stahl, der mindestens dreimal eingesetzt werden kann und so die Kosten im ersten Schritt schon mal gedrittelt werden müssen. Dazu kommt ein deutlich geringerer Zeitaufwand für den Auf- und Abbau, eine bessere Ergonomie für die Forstwirte (kein Bücken und kein Werkzeugeinsatz) sowie ein Wegfall der Entsorgungskosten. Nicht vergessen darf man die geringeren Wuchsschäden an den Jungbäumen und der dadurch größere Kulturerfolg. Wenn man alle Faktoren berücksichtig, kommen Groos und Müller zu einem wirtschaftlichen Vorteil ihrer GroMM’s gegenüber allen anderen Schutzmaßnahmen. Natürlich wurde die Stahlkonstruktion nicht dafür gemacht, 2 000 Bäume auf einer Kulturfläche zu schützen, aber für den Einzelschutz von 150 bis 200 gefährdeten Pflanzen beispielsweise auf einer Kalamitätsfläche stellt die neue Erfindung eine langlebige und plastikfreie Alternative dar, die dem heutzutage oft geschundenen Prinzip der Nachhaltigkeit wieder zur Ehre gereichen kann.

Michael Müller (l.) und Thomas Groos

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