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Themenschwerpunkt 03: Waldbrandmanagement

Waldbrandmanagement – Prävention und Intervention

Abb. 1: Die Mulchraupe ist vielseitig in der Forst- und Landwirtschaft einsetzbar und ein wertvolles Instrument der Waldbrandvorsorge. Hier im Einsatz an einer WKR-Demonstrationsfläche bei Gartow.

Zwei von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) geförderte wissenschaftliche Projekte arbeiten an der Zusammentragung und Bereitstellung von Expertenwissen über die Entstehung sowie Techniken zur Prävention und Bekämpfung von Waldbränden aus dem In- und Ausland. Diese werden an die Gegebenheiten deutscher Forstbetriebe angepasst. Einer der bedeutendsten Eckpfeiler dabei erfordert langfristiges Denken und Handeln: Der Umbau von vulnerablen Waldbeständen.

Was hat Waldumbau mit Waldbrand zu tun?

Über die Wirksamkeit, den Nutzen und die Bedeutung der Wälder ist man sich einig. Wie aber muss der Wald der Zukunft gestaltet werden, um ihn resilienter gegenüber Störungen und Waldbränden zu machen? Und was hat Waldumbau mit Waldbrand zu tun? Aktuelle Forschungserkenntnisse und Handlungsempfehlungen für die Praxis werden auf den KWF-Thementagen vorgestellt und diskutiert. Das Wissen in die Praxis zu bekommen ist Kernaufgabe eines vom Waldklimafonds geförderten Projekts „Waldbrand-Klima-Resilienz“ (WKR), das am European Forest Institute ansässig ist. Dabei wird im Projekt eng mit allen Akteuren des Waldbrandmanagements zusammengearbeitet. Die Kooperation mit anderen Forschungsprojekten ist eine Selbstverständlichkeit. Das Projekt THOR, benannt nach dem nordischen Wettergott, ist ein Verbundvorhaben, bestehend aus zwei Teilprojekten. Hauptverantwortlich erfolgt die Bearbeitung durch die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern (AöR) und wird durch ein zweites Vorhaben an der Technischen Universität Dresden ergänzt. Das Projektteam wird Lösungsansätze zum präventiven Waldbau und zu dem Umgang mit munitionsbelasteten Waldflächen bei den KWF-Thementagen präsentieren. Darüber hinaus werden erste Ideen zur Verbreitung des Wissens an die vielfältigen Zielgruppen vorgestellt.

Projekt „Waldbrand-Klima-Resilienz“

Um einem unkontrollierbaren Wald- und Vegetationsbrand vorzubeugen, muss man wissen, wie man dem Feuer die Nahrung nimmt. Damit sich ein

Feuer ausbreiten kann, braucht es Sauerstoff, Zündenergie und Brennmaterial. Entzieht man dem Feuer eines dieser Elemente, so verringert man die Feuerintensität und die Ausbreitungsgeschwindigkeit, kann es eindämmen oder gar stoppen. Da Brennmaterial von diesen drei Elementen am besten zu kontrollieren ist, kann man durch die Anlage von Schutzstreifen Waldbrände besser bekämpfen, da auf diesen leicht brennbares Material entfernt wird (z. B. Schlagabraum entlang von Wegen, Freilegen des Mineralbodens).

Mulchraupen (Abb. 1) haben sich zur Anlage von Schutzstreifen bewährt, da sie eine präzise und bodenschonende Entfernung von Brennmaterial erlauben und gleichzeitig den Mineralboden freilegen. Durch die daher stark verringerte Brennmaterialmenge und fehlende Feuerbrücken wird das Überschlagen eines Feuers auf benachbarte Flächen verhindert. Ein Bodenfeuer wird sich somit nicht zu einem Kronenfeuer entwickeln können. Schutzstreifen bieten auch beste Voraussetzungen für die Waldbrandbekämpfung durch die Feuerwehr und eignen sich als eine effiziente und nachhaltige Infrastruktur für alle Waldbesitzarten.

Abb. 1: Die Mulchraupe ist vielseitig in der Forst- und Landwirtschaft einsetzbar und ein wertvolles Instrument der Waldbrandvorsorge. Hier im Einsatz an einer WKR-Demonstrationsfläche bei Gartow.

Möglichst überall ist durch die Erhöhung des Laubholzanteils der Wandel von hohen Nadelholzanteilen hin zu laubholzreicheren Mischbeständen ein entscheidender Beitrag zur Verringerung des Waldbrandrisikos. In geeigneten Beständen ist der Unter- und Voranbau/Naturverjüngung von standortgerechten Laubholzarten ein wichtiges Ziel in der Waldbrandvorsorge. Grundsätzlich eignen sich alle Baumarten, unter Berücksichtigung der lokalen Faktoren, wenn sie entsprechend gepflegt werden. Oftmals sind hierzu zielgerichtete Bejagungskonzepte beziehungsweise Schwerpunktbejagung nötig.

Hauptverursacher für Wald- und Vegetationsbrände sind „Männer, Frauen und Kinder“. Eine Sensibilisierung für das Thema und eine gut informierte Öffentlichkeit können viele Brände vermeiden. Aufklärungsarbeit für unterschiedliche Zielgruppen und Informationstafeln, die auf die Gefahrensituation hinweisen sind dabei probate Mittel. Die Prävention wird weiterhin zu oft vernachlässigt. Dabei können schon vergleichsweise wenig aufwändige Maßnahmen Großes leisten, weil sie Brände eindämmen oder verhindern. Dazu gehören auch Ausrüstung und Handwerkzeuge (Abb. 2), die den Einsatz effektiver und sicherer gestalten. Ziel ist es, das Wissen und Informationen schnell und unbürokratisch dorthin gelangten, wo sie gebraucht und umgesetzt werden. Bei den Maßnahmen wird nicht zwischen Waldbesitzarten unterschieden und alle genannten Maßnahmen werden während der KWF-Thementage thematisiert.

Abb. 2: Auch so sieht Waldbrandmanagement aus. Handwerkzeuge und persönliche Schutzausrüstung sind wichtiger Bestandteil der Brandbekämpfung und der präventiven Vorsorge. So kann eine Feuerpatsche beim Erstangriff eingesetzt werden (bei Feuern niedriger und mittlerer Intensität), am besten in Kombination mit Rucksackspritzen, Schaufeln und Co.

Mehr Informationen zum Projekt: www.waldbrand-klima-resilienz.com

THOR-Projekt

Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern (AöR) und die Technische Universität Dresden erarbeiten die Inhalte des Waldbrandschutzprojekts THOR gemeinsam. Die Verbundpartner stellen auf den 6. KWF-Thementagen verschiedene Inhalte aus ihren jeweiligen Teilvorhaben vor. Zentrale Bestandteile sind hierbei Lösungsansätze zur Anpassung der Wälder – auch hinsichtlich besonderer Herausforderungen wie der Kampfmittelbelastung.

Elemente des vorbeugenden Waldbrandschutzes sind Wundstreifen und Schutzstreifen, die auch zu einem Waldbrandriegelsystem aufgebaut werden können. Die Ausrichtung, Kombination und Reihenfolge der Schutzelemente richtet sich nach dem Schutzgut – Wald, menschliche Infrastruktur oder andere sensible Flächen (Naturschutz, Kampfmittelbelastung). Wo der Waldumbau durch standörtliche Faktoren derzeit nicht oder nur sehr langfristig möglich ist, verhindern diese Schutzelemente die Ausbreitung von Bränden in Wäldern mit einer hohen Brandgefährdung. Die Anlage eines Waldbrandriegelsystems wird das Projekt THOR bei den KWF-Thementagen exemplarisch vorstellen.

Zahlreiche Waldflächen sind mit Kampfmitteln belastet. Aufgrund der Gefährdungslage findet auf stark belasteten Flächen in der Regel keine Waldbewirtschaftung statt und die genannten Präventionsmaßnahmen können nicht umgesetzt werden. Weiterhin steigt durch eine fehlende Bewirtschaftung der Anteil an Totholz und damit erhöht sich die Menge der Brandlast. Die Panzerung forstlicher Maschinen, beispielsweise mit einem Unterflurschutz und Verbundsicherheitsglas in der Fahrerkabine, stellt als „geschützte Forsttechnik“ einen Lösungsansatz dar, der durch das Projekt THOR erprobt wird.

95 % aller Waldbrände werden durch menschliche Einflüsse verursacht. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit ist somit für alle Waldbrandschutzprojekte ein wichtiges Thema. Die länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Akteuren des Waldbrandschutzes wird durch Veranstaltungen, Exkursionen und Fachtagungen in einer Modellregion in Mecklenburg-Vorpommern verbessert. Dazu werden verschiedene Schutzelemente des vorbeugenden Waldbrandschutzes etabliert und technische Erprobungen durchgeführt. Weiterhin werden für insgesamt zehn Konzeptgebiete in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt (Abb. 3), die aufgrund unterschiedlicher Herausforderungen eine hohe Waldbrandgefährdung vorweisen, spezifische Konzeptberichte erstellt, die den jeweiligen Waldbesitzern als Handlungsleitfaden zum Waldumbau dienen und deren waldbauliche Zielsetzungen berücksichtigen. Eines dieser Konzeptgebiete ist der Veranstaltungsort, der Stadtwald Jessen. Welche Inhalte bei Waldbrandschutz-Exkursionen vermittelt werden und wie ein Konzeptbericht aussehen kann, wird durch das Projekt THOR bei den KWF-Thementagen dargestellt.

Abb. 3: Karte aller Konzeptgebiete, für die Konzeptberichte als Handlungsleitfaden der jeweiligen Waldbesitzenden mit spezifischen Zielsetzungen erstellt werden

Themenschwerpunkt (TS) 03

  • Ansprechpartner Waldbrandmanagement:
    Tobias Wiepcke tobias.wiepcke@kwf-online.de
    Tel. 06078-785 77
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