Ohne Sonne geht das Licht aus

Der bürokratische Aufwand für die Inbetriebnahme einer PV-Anlage ist gewaltig.

Jeder, der eine PV-Anlage auf seinem Haus- oder Stalldach installieren will, ist privilegiert, wie es im Juristendeutsch heißt. Bedeutet: Der Netzbetreiber muss die Anlage ans Stromnetz anschließen – ob er will oder nicht. Seit mehr als 20 Jahren ist dieses Privileg gültig. Grundlage dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das im Jahr 2000 in Kraft getreten ist.

In der Praxis torpedieren die Netzbetreiber häufig dieses Recht. 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW lehnten in den vergangenen Jahren viele kleinere Anlagen ab. Die Begründung: Das Netz sei bereits mit zu viel erneuerbarem Strom überlastet. In so einem Fall brauchen motivierte Sonnenstrominvestoren einen Rechtsanwalt, um am Ende ihre Anlage doch noch ans Netz zu bekommen.

Doch selbst wenn der Netzbetreiber die Anlage nicht als unzumutbar ablehnt, ist der bürokratische Aufwand für die Inbetriebnahme gewaltig. Das beginnt bei der Einspeiseabrechnung und endet bei der Zustimmung aller Beteiligten – mitunter dem Finanzamt und dem Netzbettreiber –, um die Messkosten für die Abrechnung des Netzbetreibers zu senken.

Die Bundestagsfraktion CDU/CSU hat dieses Dilemma inzwischen erkannt und stellt in einem Positionspapier vom 21. Juni 2022 an die Bundesregierung eine kühne Forderung: „PV-Anlagen auf dem Dach in Betrieb zu nehmen, muss genauso einfach werden wie einen E-Herd anzuschließen.“

Zudem sollen Erträge aus PV-Anlagen mit bis zu 30 kWp von Steuer- und Abgabepflichten befreit werden. Bei kleineren Anlagen soll auf die geplante Unterscheidung zwischen Voll- und Teileinspeisung bei der Einspeisevergütung verzichtet werden. Somit könnte der Gesetzgeber innovative Ideen für den Eigenverbrauch und lokale Versorgungskonzepte ermöglichen.

Photovoltaik darf nicht länger ein Nischenprodukt bleiben. Der Sonnenstrom ist ein wichtiger Baustein für die zukünftige Energieversorgung des Landes und auch das Klima lässt sich damit effizienter schützen. Photovoltaik muss auf jedes Dach und das geht nur, wenn sowohl der Landwirt als auch die alleinerziehende Mutter in der Großstadt ihr PV-Projekt mit überschaubarem Aufwand umsetzen kann. Anders kommt Deutschland bei diesem Thema nicht voran. ●

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