Müsli frisch vom Feld

Auch Lars Wichmann ist in den Haferanbau eingestiegen.

Auf den Punkt

  • Lars Wichmann baut Hafer an, um die Fruchtfolge zu erweitern.
  • Mit seinem Beschattungsvermögen unterdrückt Hafer Ackerfuchsschwanz.
  • Die Haferernte wird an einen Müslihersteller vermarktet. Dafür muss aber die Erntequalität stimmen.

„Was ist das denn für ein Getreide? Weizen?“, fragt die Frau am Feldrand. „Wir bauen hier Hafer an“, erklärt Lars Wichmann und streicht über die gelblichgrünen Rispen. Seit drei Jahren baut der Junglandwirt aus dem schleswig-holsteinischen Reinfeld das Sommergetreide an.

Vor fünf Jahren, nach dem Studium, stieg der 28-jährige in den elterlichen Gemischtbetrieb ein. Der Landwirt war damals auf der Suche nach neuen Wegen und Kulturen für den Betrieb. Die Sauen verließen aufgrund mangelnder Perspektive den Hof. Dafür kamen sieben Hühnermobile. Wichmann baute einen Hofladen mit Eiern, Nudeln, Mehl und anderen eigenen Produkten auf, den er gemeinsam mit seiner Frau betreibt.

Auch im Ackerbau schlug er neue Wege ein. Damals beschränkte sich der Betrieb noch auf die klassischen Kulturen in der Region: Weizen, Raps und Gerste. Doch auf dem Travenhof und auf vielen anderen Höfen in Holstein führte diese enge Fruchtfolge in den vergangenen Jahren zu immer mehr Problemen. Ackerfuchsschwanz, Ausfallraps und ein zunehmender Krankheitsdruck zeigten den Landwirten zunehmend ihre Grenzen auf.

Der Junior verstand, dass Sommerungen in der Fruchtfolge nötig waren und der Vater ließ ihn ausprobieren. Dafür ist ihm Lars Wichmann heute dankbar. Den endgültigen Anstoß für den Haferanbau gab das miese Wetter. „Vor drei Jahren mussten wir den Acker umbrechen, weil aus dem Raps wegen der Nässe nichts geworden war. Auf 3,5 ha haben wir dann Hafer gedrillt“, berichtet er. Für ihn war es das erste Mal mit Sommergetreide.

Lars Wichmann und sein Auszubildender Anakin Von Rhein (von l.) nehmen den Bestand vor der Ernte in Augenschein.

Vor dem Schnitt ist das Haferstroh meist noch grün. Das erschwert die Ernte.

Nützlinge wie den Marien- käfer sieht Lars Wichmann gern auf seinen Pflanzen.

Die Wurzeln des Hafers scheiden spezielle Stoffe gegen bodenbürtige Krankheitserreger aus.

Haferanbau wiederentdeckt

Mit dem Haferanbau liegt er im Trend. Allein zwischen 2019 und 2020 hat die Anbaufläche in Deutschland um 13 Prozent zugelegt.

In Schleswig-Holstein führte die Kultur lange Zeit nur noch ein Nischendasein. Einige Jahre lang gab es im Norden nicht einmal mehr Landessortenversuche für Hafer. Die Berater konzentrierten sich auf andere Kulturen.

Auch Lars Wichmann musste sich das Knowhow über die Kultur völlig neu aneignen. „Einige Probleme hat man gar nicht auf dem Schirm, weil vieles in Vergessenheit geraten ist“, sagt er. In diesem Jahr hatte er etwa Probleme mit einer ihm unbekannten, samenbürtigen Krankheit, die sich durch geknickte Fahnblätter bemerkbar machte. Im nächsten Jahr plant er deshalb, elektronengebeiztes Saatgut einzusetzen.

Mittlerweile macht der Hafer rund 30 ha von Wichmanns Fläche aus, aber auch Öllein, Weiße Süßlupine und Dinkel bereichern seine Fruchtfolge. Sommerweizen und Sommergerste hat der Landwirt auch schon ausprobiert. Hier waren die Erträge aber weniger zufriedenstellend. Seine Fruchtfolge ist nun fünfgliedrig. Die Sommerungen stehen zwischen der Vor- und Nachfrucht Weizen.

Ein Schild klärt am Straßenrand darüber auf, dass hier Hafer für Frühstücksflocken wächst.

Zum erfolgreichen Haferanbau gehört auch die richtige Vermarktung. Glücklicherweise sitzt nur 20 km entfernt die Lübecker Haferschälmühle der Firma H. & J. Brüggen KG. Das Lebensmittelunternehmen produziert Frühstücksflocken für den deutschen und europäischen Markt.

„Es hieß immer, dass Brüggen nur skandinavischen Hafer verarbeitet“, sagt Wichmann. Trotzdem fragte der Junglandwirt bei dem Unternehmen an, und tatsächlich zeigte der Müsliproduzent Interesse und bot an, den Hafer abzunehmen. Der einzige Nachteil war: Die Mühle benötigte eine Liefermenge von mindestens 500 t Hafer.

„Das war für uns utopisch. Um das zu erreichen, hätten wir 80 ha Hafer anbauen müssen“, sagt Wichmann.

Aber auch andere Landwirte aus der Gegend waren mittlerweile auf den Hafer als Kultur gestoßen und wollten ihre Ernte an den Mann bringen. Wichmann schloss sich mit zwei anderen Betrieben in der Region zusammen, um den Hafer gemeinsam zu vermarkten. „So konnten wir unsere Kraft bündeln und haben die Menge zusammen bekommen.“

Der Hafer rechnet sich für Wichmann. Im Vertragsanbau sind Preis und Menge abgesichert. Der Landwirt muss sich darum kümmern, die Liefermenge und die Erntequalität zu erreichen. Allerdings sind hier einige Punkte zu beachten. Wichtigster Qualitätsparameter ist das Hektoliter (hl)-Gewicht. Das abgelieferte Getreide muss mindestens 52 kg/hl erreichen. Zu klein dürfen die Haferflocken nicht sein. Für die Alternative Futterhafer gibt es keinen richtigen Markt. „Ein bisschen Risiko für den Anbauer ist dabei“, räumt der Landwirt ein.

Frühe Aussaat für die Qualität

Wichmann drillt seinen Hafer schon Anfang März. Das ist nötig, um die hl-Gewichte zur Ernte zu erreichen. Auf den teils tonhaltigen holsteinischen Böden ist die frühe Aussaat aber eine Herausforderung. „Wir müssen just in time arbeiten, um den Hafer nicht in die schweren Böden zu schmieren“, sagt er. Parallel zur Aussaat bringt er 100 kg/ha mineralischen Stickstoff aus. Vor dem Hafer steht eine Zwischenfrucht, die er im Frühjahr flach mit einem Feingrubber einarbeitet. Eine intensivere Grundbodenbearbeitung macht Lars Wichmann lieber schon vor der Zwischenfrucht im Herbst. Ohne Pflug geht es für ihn nicht. Er ist ein essenzieller Bestandteil für die Ackerfuchsschwanzbekämpfung auf dem Betrieb. „Lieber einmal pflügen als mehrmals spritzen“, fasst der Holsteiner seine Strategie zusammen.

Auch Versuche mit Untersaaten gibt es auf dem Betrieb. Oft ist die Beschattung durch die Haferblätter aber zu stark.

Der Junglandwirt schätzt besonders, wie Hafer den Ackerfuchsschwanz durch sein Beschattungsvermögen unterdrückt. Auch deshalb hat er sich für die Kultur entschieden. Anders als Weizen schirmt sie den Boden mit ihren breiten Blättern besonders effektiv vom Licht ab. Unkräuter und Ungräser haben so ab einem gewissen Zeitpunkt keine Chance mehr. Durch eine erhöhte Aussaatstärke von rund 190 kg/ha möchte Wichmann diesen Effekt verstärken.

Besonders auffällig im Bestand sind die fehlenden Fahrgassen. Nur grüne Streifen im Bestand verraten, wo der Traktor regelmäßig gefahren ist. „So züchte ich mir keinen Ackerfuchsschwanz in den Fahrgassen heran“, sagt er. Auch im Rest des Bestands lässt sich kein Ackerfuchsschwanz blicken. Außerdem hält Hafer mit seinen speziellen Wurzelausscheidungen bodenbürtige Krankheitserreger in Schach. Auch deshalb gilt er als Gesundungsfrucht.

Versuche mit Untersaaten

In diesem Jahr hat Wichmann auch Versuche mit Untersaaten in seinem Haferbestand angelegt. Den Junglandwirt beschäftigt der regenerative Gedanke im Ackerbau. Er will seinen Boden verbessern und Humus aufbauen. Vier verschiedene Mischungen mit unterschiedlichen Leguminosen und Gräsern probierte Wichmann mit Unterstützung der Firma Brüggen aus. So soll der regionale Haferanbau noch nachhaltiger werden.

Das Beschattungsvermögen des Hafers erwies sich in den Untersaatversuchen aber als nachteilig. In einigen Reihen war nur wenig von den Untersaaten zu ersehen; der Hafer hatte sie unterdrückt. Nur an einigen Stellen konnten sich die Bestände mit Leguminosen etablieren. „Ich würde für Untersaaten im Hafer mindestens 25 cm Reihenabstand empfehlen“, sagt Wichmann. „Aber zu viel darf es auch nicht sein. Wir streben trotzdem einigermaßen normale Erträge an.“

Schönwetterkultur bei der Ernte

Ein Vorteil des Hafers ist, dass sich die Bestände relativ günstig führen lassen. Krankheiten und Schädlinge bereiten dem robusten Getreide keine größeren Probleme. Allerdings tritt im Hafer häufig Mehltau auf.

Wichmann kürzt das Getreide ein- bis zweimal ein. Sußerdem bringt er je ein Herbizid und manchmal ein Fungizid aus. Fungizide rechnen sich aber nicht immer. „Der Effekt ist im Verhältnis zu den Kosten gering“, sagt er. „Man muss damit leben können, dass die Blätter nicht so schön aussehen.“ Wichmann schließt nicht aus, dass Schädlinge und Krankheiten künftig größere Bedeutung gewinnen könnten, wenn der Anbau in der Region verbreiteter ist.

Besonders aufwendig beim Hafer ist der Drusch. Das Getreide ist zum Zeitpunkt der Ernte meist noch grün im Stroh. Der dichte Bestand fordert den Mähdrescher ziemlich, bei feuchter Witterung ist die Ernte beinahe unmöglich. „Bei der Ernte ist der Hafer eine Schönwetterkultur“, sagt Wichmann. Ein zu später Erntezeitpunkt lässt den Bestand hingegen vorzeitig zusammenbrechen. Da er parallel zum Weizen geerntet wird, verstärkt der Anbau bestehende Arbeitsspitzen im Betrieb.

Wichmann strebte in diesem Jahr eine Erntemenge von rund 7 t/ha an. Die Erträge können aber je nach Jahr und Standort variieren. In diesem Jahr wollte er Anfang August dreschen. Insgesamt war die Witterung 2021 zwar eher kühl, aber ausgerechnet zum Zeitpunkt der Kornfülle erreichten die Temperaturen Höchstwerte von 30 °C. Er hoffte, trotzdem ein ausreichend hohes hl-Gewicht zu erreichen.

Der Hafer ist ein robustes Getreide. Der Bestand lässt sich mit relativ geringem Aufwand führen.

Am Feldrand, zur Straße hin, steht nun ein Schild „Hier wächst Ihr Frühstück“. Die Tafel hat Brüggen seinen lokalen Haferlieferanten zur Verfügung gestellt. Wichmann schätzt solche Werbung für seinen Betrieb. Da er „da arbeitet, wo andere Urlaub machen“, gibt es auch immer wieder Kritik an der Landwirtschaft.

Mit viel Kommunikation, über Schilder, Social Media und den persönlichen Kontakt im Hofladen, kommt er mit Verbrauchern ins Gespräch. In Zukunft will er die Verbraucher nicht mit Nudeln, Honig, Eiern, Likör und Mehl in den Hofladen locken, sondern auch Müsli vom eigenen Feld anbieten. ●

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