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Stark in Gruppen

Ab dem achten Lebenstag der Ferkel öffnet Florian Hoenmanns-Leurs die Buchten so, dass die Ferkel in den großen Bewegungsraum laufen können.

Auf den Punkt

  • Florian Hoenmanns-Leurs hat sich vor dem Bau des neuen Stalls viele Gedanken gemacht.
  • Sauen und Ferkel stehen in konventionellen Abferkelbuchten mit Gruppenbewegungsraum.
  • Der Landwirt ist von den vielen Vorteilen dieses Systems überzeugt.

Drei Sauen liegen dösend an den Wänden des Gruppenbewegungsraums. Die Ferkel flitzen und wuseln um sie herum. Andere Tiere haben sich in ihre Abferkelbucht zurückgezogen, die an die Bewegungsfläche anschließt. „Unsere Sauen sind tiefenentspannt“, sagt Florian Hoenmanns-Leurs.

Der 26-jährige Junglandwirt aus Tönisberg am Niederrhein bewirtschaftet den Hof zusammen mit seinem Vater Johannes (siehe Tabelle Der Betrieb Hoenmanns-Leurs“). „Wir sind ein Familienbetrieb, der schwerpunktmäßig Sauen hält und die Ferkel aufzieht.“

Sauenhalter Florian Hoenmanns-Leurs hat sich im Abferkelstall für ein System mit Gruppensäugen entschieden.

Bereits 2017 ließ der Betrieb ein Emissionsgutachten für den Neubau erstellen. „Wir haben uns aber bewusst Zeit gelassen mit der Planung“, sagt Florian Hoenmanns-Leurs, der damals noch mitten im Studium war. Außerdem zeichnete sich bereits ab, dass es kein „Weiter so“ in der Sauenhaltung geben wird und die Ansprüche und Vorgaben stetig wachsen.

Umbau und Aufstockung

Im Juni 2020 begann schließlich der Neubau. Damit einher ging die Aufstockung der Sauenherde auf 320 Tiere. „Jetzt sind wir mit den Baumaßnahmen durch und können uns wieder auf die Tiere konzentrieren“, sagt Florian Hoenmanns-Leurs, der 2018 sein Bachelorstudium in Agrarwissenschaften in Soest abschloss und mit seinem Vater für den Sauenbetrieb eine GbR gründete.

Heute kümmert sich sein Vater hauptsächlich um den Ackerbau auf 120 ha, die Futtermühle und den Maststall mit rund 750 Plätzen. Der Junglandwirt versorgt die 320 Sauen und Ferkel. „Die Planung des neuen Stalls lief aber zusammen mit meinem Vater. Wir haben überlegt, wie das Haltungssystem der Zukunft für Sauen und Ferkel aussehen könnte.“

Der Junglandwirt kümmert sich schwerpunktmäßig um die Sauen, sein Vater um die Mast und den Ackerbau.

Dass mehr Bewegung im Abferkelstall für die Sauen ein Muss ist, war ihnen von Beginn an klar. Der Weg zur Bewegungsbucht wäre nicht weit gewesen. Bei der Recherche und Besichtigung von verschiedenen Systemen stieß Florian Hoenmanns-Leurs aber auf das System mit Gruppensäugen.

„Dem freien Abferkeln stehe ich nach wie vor skeptisch gegenüber.“ Bewegung für die Sauen und das Säugen in Gruppen konnte er sich aber gut vorstellen. Überzeugt hat ihn letzten Endes der Besuch bei einem Berufskollegen, der konventionelle Abferkelbuchten mit einem Gruppenbewegungsraum kombiniert hat. „Wir standen bestimmt 1,5 Stunden im Stall und danach war uns klar: So wollen wir auch bauen.“

Die Ferkel erhalten zusätzlich Futter über Schalen, aber das meiste leisten laut Florian Hoenmanns-Leurs die Sauen selbst.

Flexibel gestaltet

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Planung war die Flexibilität. „Ich mag keine 08/15-Lösungen und habe noch nie was von der Stange gekauft“, sagt der Landwirt. Sein Ziel war es, einen Stall um die Bedürfnisse des Schweins zu strukturieren und zu bauen. So entstand der neue Sauenstall, konzipiert nach dem Prinzip Dach gleich Decke.

Es gibt zwei Räume mit Platz für je 80 Sauen und ihre Ferkel. Innerhalb der Räume bilden je acht konventionelle Abferkelbuchten, ausgestattet mit Ferkelschutzkörben, eine Einheit. „Sie haben ihre Berechtigung. Nicht umsonst sind sie mit der Zeit so konstruiert worden und bieten Vorteile in Hinblick auf Saugferkelverluste und Geburtenüberwachung.“

Das Besondere ist der sich anschließende Gruppenbewegungsraum, der allen acht Sauen und später den Ferkeln gemeinsam eine zusätzliche Fläche von 30 m² bietet. Diese Kombination ist für Florian Hoenmanns-Leurs ideal. Denn so böten seine Abteile mit je 64 m² den Sauen am Ende mehr Bewegung als jede Bewegungsbucht.

Außerdem hat der Sauenhalter die Möglichkeit, je zwei Abteile zusammenzulegen. „Wenn ich wollte oder müsste, könnte ich so alle Sauen samt ihrer Ferkel zur Außenwand lotsen und ihnen einen Außenklimareiz ermöglichen.“

Derzeit müssen sich die Sauen mit der freien Bewegung begnügen. Dazu schließen die Abferkelbuchten hinten direkt bündig an den Gruppenbewegungsraum an. „Ich kann die Rückseite des Ferkelschutzkorbs so öffnen, dass die Sauen reinlaufen und rückwärts rauslaufen können“, sagt Florian Hoenmanns-Leurs. Das werde von den Tieren sehr gut angenommen.

Ab dem achten Lebenstag der Ferkel öffnet Florian Hoenmanns-Leurs die Buchten so, dass die Ferkel in den großen Bewegungsraum laufen können.

Der Junglandwirt hat die Erfahrung gemacht, dass die Sauen sehr ruhig sind, sobald sie mit ihren Ferkeln auch auf die Freifläche können. Sauen, die rund um die Geburt im Ferkelschutzkorb nervös seien, würden sich schnell entspannen, sobald sie sich bewegen dürften. Auch mit den Jungsauen hatte er bislang keine Probleme. „Die Arbeitssicherheit ist gewährleistet. Ich habe eher das Gefühl, dass die bedrängte Haltung mal zu Aggressionen führt.“

Lange bewegen

Er stallt die Sauen eine Woche vor dem Geburtstermin in die Abferkelabteile ein. Erst 48 Stunden vor der Geburt fixiert er sie. „Ich möchte möglichst lange Bewegungszeiten. Das hilft beim Abliegeverhalten und vor allem bei der Dauer der Geburten.“

Alle fünf Wochen ferkelt eine Gruppe von 80 Sauen ab. „Dann sind wir fast die ganze Nacht im Stall. Ich mache die Schicht bis um 3 Uhr. Mein Vater ist ab halb 5 Uhr da.“ Das ist eine sehr intensive Geburtsüberwachung, aber für Florian Hoenmanns-Leurs der Schlüssel zu einer hohen Ferkelvitalität mit geringer Verlustrate und hohen Leistungen.

Zudem lässt er die Ferkel nach der Geburt in Ruhe. Sie sollen sich nur darauf konzentrieren, Milch aufzunehmen und das Gesäuge zu stimulieren. Erst am fünften Tag werden Maßnahmen wie die Eisengabe, die Kastration unter Isofluran und das Einziehen der Ohrmarken vorgenommen.

Die Ferkel bleiben nach dem Absetzen weitere vier Wochen im Abferkelstall, bevor sie verkauft werden.

So hätten die Ferkel weniger Stress. Sie würden zum Beispiel bereits das Fütterungssystem kennen, sagt Florian Hoenmanns-Leurs.

„Danach lassen wir sie nochmal zwei Tage in Ruhe, bevor wir zuerst die Ferkel und einen Tag später die Sauen in die Gruppenbewegungsräume lassen.“ So würden die Ferkel lernen, zu ihrer Mutter zurückzukehren.

Mit den Leistungen von im Schnitt 32,5 Ferkeln pro Sau und Jahr, Tendenz steigend, ist er sehr zufrieden. Die Verluste sind sogar zurückgegangen im Vergleich zum alten System. Auch die Erdrückungsverluste seien unauffällig.

Das Fremdsäugen stellt für Florian Hoenmanns-Leurs kaum ein Problem dar. Erstens beobachtet er wenig Akte und zweitens läge das Gesäuge immer voll und würde so optimal stimuliert.

Weiter verbessern möchte er die Homogenität der Ferkel. Im Schnitt erreicht er zum Absetzen nach 28 Säugetagen Gewichte von 7 bis 8 kg, aber die Variation sei schon recht groß. Er gibt auch zu bedenken, dass man sich darüber im Klaren sein müsse, dass die Tierkontrolle etwas erschwert sei, sobald die Tiere sich frei bewegen könnten.

Ferkel bleiben, Sau geht

Eine weitere Besonderheit ist, dass beim Absetzen nur die Sauen die Abferkelbucht verlassen. Aus diesem Grund gibt es auch die zwei Räume mit Platz für je 80 Sauen. So brauchte Florian Hoenmanns-Leurs kein Flatdeck bauen, sondern nutzt die Abteile gleichzeitig als Flatdeck. Von Vorteil sei der geringere Stress für die Ferkel, die so in ihren stabilen Gruppen bleiben können.

Die Kehrseite der Medaille sind die Kosten des Stalls. Im Grunde hat der Betrieb viel zu viel Platz für die Ferkel in der Aufzucht. Jedoch sei sein System immer noch günstiger, als wenn er Bewegungsbuchten eingebaut hätte, erklärt der Landwirt. „Insgesamt überwiegen also die Vorteile wie das Wohlbefinden der Tiere und die Arbeitserleichterungen.“ Das Ausstallen der Sauen aus diesem System klappe beispielsweise sehr gut. Er rechnet für die 80 Tiere einer Gruppe mit etwa 30 Minuten. „Die Sauen sind einfach beweglicher als früher. Dementsprechend gut können sie auch laufen.“ Zudem muss er einmal weniger Abteile waschen und seltener umtreiben.

Insgesamt sieht er in dem Stall einen weiteren Schritt in die richtige Richtung. „Mit steigendem Wohlstand der Bevölkerung muss auch der Wohlstand, besser das Wohlbefinden bei den Tieren, steigen. Bewegungsmöglichkeiten und Ausleben von natürlichen Verhaltensweisen stehen da ganz vorne an.“

Ob Florian Hoenmanns-Leurs künftig auch noch einen Außenklimabereich schafft, weiß er noch nicht. „Bei mehr Tierwohl bin ich dabei, aber die Biosicherheit muss gegeben sein. Bis zu einem gewissen Grad muss die Tierhaltung auch effizient bleiben. Bei all dem Tierwohl will ich zudem möglichst ressourcenschonend agieren.“

Sein Ziel war ein zukunftsfähiger Stall, in dem das Tierwohl eine deutliche Verbesserung erfährt, der aber gleichzeitig konventionell markt- und konkurrenzfähig ist. „Das haben wir auch gut hinbekommen. Vor allem habe ich mir für die Zukunft viele Möglichkeiten offen gehalten“, sagt Florian Hoenmanns-Leurs. ●

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