Null Zink? Null Problemo!

Martin Oing kümmert sich vor allem im Flatdeck um das Wohl der Ferkel.

Auf den Punkt

  • Die Ferkelerzeuger Martin und Thomas Oing haben sich intensiv mit dem Ferkelfutter befasst.
  • Jetzt ist ihr Konzept so gut, dass sie auf Zinkoxid beim Absetzen verzichten können.
  • Dazu müssen neben dem Futter aber auch die Haltung und das Management passen.

Um es kurz vorwegzunehmen: Natürlich kommen auch die Schweine von Martin und Thomas Oing aus Schöppingen in Nordrhein-Westfalen nicht ohne Zink aus. Dafür übernimmt das lebensnotwendige Spurenelement zu wichtige Funktionen. Es ist Teil der Immunabwehr und der Proteinsynthese. Außerdem hilft es beim Zellwachstum – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dazu müssen aber nur wenige Milligramm pro Kilogramm Schweinefutter zugegeben werden.

Vielfach wird aber zusätzlich sogenanntes medizinisches Zink vor allem in Ferkelrationen ergänzt. Hohe Konzentrationen an Zinkoxid dienten als Antibiotikaersatz, um Durchfallerkrankungen beim Ferkel nach dem Absetzen zu verhindern. Leider scheiden die Ferkel einen Großteil davon wieder aus. Das Zinkoxid gelangt in die Umwelt und wirkt dort als Schadstoff. Deshalb ist es ab dem 26. Juni dieses Jahres verboten, therapeutische Konzentrationen von Zinkoxid in Futtermitteln zu verwenden. „Wenigstens darüber müssen wir uns aber keine Gedanken machen“, sagt Martin Oing.

Martin Oing ist unter anderem für die Ferkelaufzucht und die Mast verantwortlich.

Spaß an der Sauenhaltung

Es gäbe auch ausreichend andere, größere Herausforderungen. So ganz sicher ist Familie Oing noch nicht, wie es mit der Sauenhaltung auf ihrem Betrieb weitergeht. Die Umsetzung der neuen Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung für Deckzentrum und Abferkelstall bereiten Kopfzerbrechen.

Bis jetzt spielt die Ferkelerzeugung noch eine entscheidende Rolle (siehe „Der Betrieb Oing“ ). „Um die kommenden gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, müssten wir eigentlich abreißen und neu bauen“, sagt Thomas Oing. Dabei wollen die Brüder die Sauenzahl gar nicht erhöhen, sondern eher eine höhere Haltungsstufe anstreben.

„Trotzdem ist es fraglich, ob wir eine Neubaugenehmigung erhalten. Wir haben vor fünf Jahren versucht, einen Maststall genehmigt zu bekommen. Das hat leider nicht geklappt“, sagt Martin Oing. Eins kommt aber sehr deutlich rüber: Die Lust an der Sauenhaltung ist da. „Die Arbeit mit den Tieren macht uns Spaß!“ Mit dieser Freude und dem Optimismus wollen die Brüder erst mal weitermachen und die Dinge auf sich zukommen lassen.

„Das klappt auch deshalb derzeit gut, weil wir zum Beispiel unser eigenes Getreide haben und nicht zukaufen müssen“, berichtet Thomas Oing. Deshalb würden sie bei den derzeitigen Ferkelpreisen sogar wieder etwas Geld verdienen.

Zugekauft werden nur Soja, das Mineralfutter und Ergänzer. Gemahlen und gemischt wird selbst. Beim Zukauf arbeitet der Betrieb Oing seit über 20 Jahren mit der niederländisch-belgischen Firma Nuscience zusammen. Laut Futtermittelberater Dick Wim van Wijlen ist dies eine Ausnahme, da das Unternehmen eigentlich nur noch andere Futtermittelhersteller und Landhändler direkt beliefert.

Zusammen gestalten sie die Rationen. Früher setzte auch der Betrieb Oing nach dem Absetzen regelmäßig medizinisches Zinkoxid im Futter der Ferkel ein. Jetzt gibt es einzelne Gruppen, bei denen die Brüder schon im Abferkelstall merken, dass sie in der Phase des Umstallens etwas mehr Hilfe benötigen, beispielsweise weil sie Durchfall haben. Denen wird geholfen, aber prophylaktisch gibt es weder Antibiotika noch Zink.

Insgesamt ist der Medikamenteneinsatz um rund 75 Prozent gesunken, gerade im Ferkelaufzuchtstall. „Früher mussten wir die älteren Ferkel im Flatdeck eher noch mal behandeln. Das ist jetzt gar nicht mehr. Wenn überhaupt, dann sind Behandlungen die ersten paar Tage nach dem Absetzens nötig“, sagt Martin Oing.

Thomas Oing verteilt jeden Tag frisches Ferkelfutter in den Abferkelbuchten.

Möglich macht dies das immer weiterentwickelte Fütterungskonzept Aim-for-Zero des Futtermittelunternehmens. Hier blüht der Futtermittelberater Dick Wim van Wijlen auf. „Eins ist uns ganz wichtig. Wenn wir über ein Fütterungskonzept für die Ferkel zur Gesunderhaltung sprechen, also ohne Zinkoxid oder Antibiotika, müssen wir bei der Haltung beginnen“, erklärt er. Die Ställe, das Stallklima, die Hygiene, das Management, der Landwirt – das alles muss laut dem Niederländer stimmen.

Gesunde Mütter, Gesunde Ferkel

Als Nächstes muss auch das Futter der Sauen passen. Thomas Oing sagt: „Alles, was wir bei den Sauen investieren, erhalten wir bei den Ferkeln zurück.“ Gesunde Sauen mit guter und ausreichender Biestmilch seien die Voraussetzung für gesunde Ferkel. Studien hätten erwiesen, dass mit dem passenden Futter mehr Immunoglobuline in der Biestmilch seien.

„So haben wir vitale Ferkel mit hohen Geburtsgewichten und am Ende weniger Verluste“, sagt sein Bruder und ergänzt, dass es kein besseres Futter für die Ferkel als die Biestmilch gibt. Darauf baut das Programm des Futtermittelunternehmens auf. „Bereits ab dem vierten Lebenstag der Ferkel starten wir mit einer Art Naschfutter, ein Frühprestarter“, sagt Thomas Oing. Es soll die Ferkel zum Fressen verleiten. Je früher sie das lernen, desto besser sei es für ihre Entwicklung.

In kleinen Mengen erhalten die Ferkel jeden Tag etwas Zusatzfutter.

Beim Naschfutter handelt es sich um ein sehr süßes und fettiges Mehl mit gequetschten Maisflocken. Damit ist es sehr schmackhaft und liefert viel Energie. „Außerdem hat es einen regelrechten Klebeeffekt. Die ersten beiden Tage streu ich es einfach auf die Liegefläche. Wenn die Ferkel dann neugierig daran schnüffeln, bleibt es kleben. Sie lecken es ab, stellen fest, dass es gut schmeckt, und fressen weiter“, sagt Thomas Oing.

Die Maisflocken machen ebenfalls neugierig und wirken wie ein Spielzeug. Nach zwei Tagen füttert der Landwirt den Frühprestarter im Trog. Die Ferkel erhalten ihn bis eine Woche vor dem Absetzen. „Er ist kein Komplettfutter. Man kann die Ferkel damit nicht absetzen. Er dient bewusst dazu, das Fressen zu lernen.

Das Magen-Darm-System inklusive Immunsystem soll sich so schnell wie möglich entwickeln und sich an Trockenfutter gewöhnen. Deshalb mischt Thomas Oing es ab dem zweiten Tag im Trog bereits mit dem Ferkelaufzuchtfutter eins (FAZ I).

Das FAZ I ist für Oings im Grunde Prestarter und Absetzfutter in einem. In der Abferkelbucht ist er mehlförmig. Im Flatdeck wird das FAZ I bis rund zwei Wochen nach dem Absetzen gefüttert. „Das ist klasse, weil die Ferkel keine Futterumstellung haben. Sie erhalten es im Flatdeck zwar flüssig, aber sie (er)kennen den Geschmack“, sagt Martin Oing. So haben die Ferkel weniger Stress kurz nach dem Absetzen.

So soll es sein: Das Ferkelfutter klebt an der Nase und das Ferkel leckt es ab.

Im FAZ I setzt der Betrieb Oing neben den eigenen Komponenten 30 Prozent des Mineralfutters Vitastart Zero ein. Es enthält weder Zink noch Medikamente. Auch der Rohproteingehalt darf im FAZ I nicht zu hoch sein. Laut des Futtermittelberaters können die jungen Ferkel Protein im Dünndarm noch nicht so gut verdauen. Dann gelangt es in den Dickdarm und dient dort den ungewünschten Bakterien als Nahrung. Deren Endotoxine gelangen wiederum ins Tier und sorgen für Probleme. Der Rohproteingehalt darf also nicht zu hoch sein, sollte aber das bestverdauliche, höchstverdauliche pflanzliche Protein sein, dass man zur Verfügung hat.

Gesundheitsprodukte helfen

Auch mit dem Calcium müsse man aufgrund der hohen Pufferwirkung aufpassen. Die positive Wirkung der beigesetzten unterschiedlichen Säuren gehe sonst verloren. Die jungen Tiere würden aber vor allem freie kurzkettige Fettsäuren benötigen, um den pH-Wert im Magen abzusenken.

Außerdem enthalten sowohl das FAZ I wie auch das FAZ II – auf das die Brüder Oing rund 14 Tage nach dem Absetzen wechseln – sogenannte natürliche Gesundheitsprodukte. Dazu zählen unter anderem freie mittelkettige Fettsäuren, die eine sehr effektive antibakterielle Wirkung haben.

Man kann auf Zink beim Absetzen verzichten, wenn Management und Futter stimmen.

Martin Oing, Sauenhalter

Als Nächstes nennt der Niederländer Myko- und Endotoxinbinder. Als Prebiotika nutzt das Unternehmen eine nicht verdauliche, aber lösliche Faser. Sie unterstützt die gewünschten Milchsäurebakterien in der Darmflora. Enterobakterien wie Salmonellen und andere unerwünschte Keime haben dann weniger Chancen, den Darm zu besiedeln. Das alles verberge sich hinter dem Konzept, dass in den Ferkelfuttermitteln angewandt wird.

„Bei den älteren Tieren, also im FAZ II, ist die Konzentration des Ergänzers mit 6 Prozent einfach geringer. Wir haben also immer noch alle positiven Effekte, aber in reduzierter Menge. So können wir die Ration auch etwas günstiger machen“, sagt Thomas Oing.

„Die gefährliche Phase ist definitiv nach dem Absetzen, wenn die Ferkel 10 bis 12 kg wiegen. Da müssen wir ihnen das bestmögliche Futter bieten, um sie gesund zu halten und auf Antibiotika, Medikamente und jetzt auch Zinkoxid verzichten zu können. Mit dem neuen Futterkonzept, dass wir seit rund drei Jahren einsetzen, ist es möglich, wie unsere Ferkel zeigen“, ergänzt Martin Oing.

Die Veränderungen seien deutlich. „Wir haben gleichmäßigere Würfe und brauchen deutlich weniger Medikamente, vor allem bei den älteren Ferkeln“, sagt Martin Oing. Das typische Leistungsloch nach dem Absetzen sehen die Brüder fast gar nicht mehr im Flatdeck.

„Es ist natürlich unser Vorteil, dass wir das FAZ I über das Absetzen hinaus füttern.“ Je weniger Stress die Ferkel haben, desto weniger beobachten die Landwirte Probleme mit Ohrrandnekrosen oder Schwanzbeißen – ein Aspekt, der in Zukunft wohl noch stark an Bedeutung gewinnen wird. ●

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