Imker fragen Imker

Wann und wie sperrt man Königinnen ab?

Welcher Käfig ist der Beste

  • Das Verfahren, Königinnen im Käfig für eine bestimmte Zeit abzusperren, um Brutfreiheit für die anschließende Varroabekämpfung zu erlangen, wird inzwischen in der Praxis häufiger angewendet. Auf die Frage von Alex Wanner, hierfür größere Käfige zu verwenden, hat uns Igor Keller seine Vorgehensweise ausführlich geschildert. Er verwendet dafür einen sehr großen, selbst gebauten Käfig (Isolator – siehe Foto) und erläutert, wie und warum er zu dieser Methode kam und wieso er sie weiter bevorzugt und verfeinern möchte.

Igor Keller aus 35614 Aßlar, schrieb: Die Varroamilbe beschäftigt mich, seitdem ich Bienen habe. Um sie zu bekämpfen, benutzte ich fast alle zugelassenen Arzneimittel. Wegen Rückstandsproblemen in Bienenprodukten bin ich schließlich auf die Behandlung mit organischen Säuren umgestiegen. Aber, um ehrlich zu sein, mit wenig Erfolg. Die Winterverluste waren so groß, dass ich kaum Bienen hatte.

Da ich weiterhin keine oder möglichst wenig chemische Mittel verwenden wollte, habe ich 2018 einen Versuch gestartet. Die Idee war, möglichst schon während der Tracht die Vermehrung der Milben zu unterbrechen. Da man zu dieser Zeit wegen der bevorstehenden Honigernte keine Medikamente verwenden darf, habe ich Ende Mai in einem Volk die Königin in einem möglichst großen Käfig, meinem selbstgebauten „Isolator“, für ca. 24 Tage eingesperrt. Im Anschluss setzte ich sie noch für zehn Tage in eine Wabentasche, wo sie wieder Eier ablegen konnte, und ließ sie danach frei. Die bestiftete Wabe blieb noch für weitere sechs Tage als Fangwabe im Volk und wurde danach eingeschmolzen.

In Absperrkäfigen zur Erlangung der Brutpause sollte genügend Platz für die Königin und die sie pflegenden Arbeiterinnen sein. In dem von Igor Keller selbst gebauten Käfig ist diese Anforderung optimal erfüllt.

Um abschätzen zu können, ob die Wirkung dieser Maßnahmen ausgereicht hatte, wurde das Volk in dieser Saison nicht mehr gegen Varroa behandelt. Dies war tatsächlich der Fall, denn im Dezember fielen nur noch neun Milben.

Ich habe den Versuch daher 2019 mit vier Völkern in gleicher Weise wiederholt. Absperren der Königin zwischen dem 22. Mai und 16. Juni, Umsetzen in die Wabentasche nach jeweils 24 Tagen und Freilassen zwischen dem 1. und 22. Juli. Mit der Begründung, ohne Brut gibt es keine Varroavermehrung, habe ich die Königinnen 2019 ein zweites Mal im September abgesperrt und erst Anfang November bei anhaltenden niedrigen Temperaturen freigelassen. Ich habe die Völker dann mit Oxalsäure geträufelt, wobei im Dezember keine bis wenige Milben abfielen. Ein weiteres Volk, dessen Königin beim ersten Absperren im Juni tot im Käfig lag und bei dem die Folgemaßnahmen nicht durchgeführt werden konnten, hatte im Dezember einen sehr hohen Milbenabfall und überlebte den Winter nicht.

Im Jahr 2020 habe ich wiederum bei drei Völkern die Königinnen Ende September für zehn Tage zum zweiten Mal abgesperrt und gleich darauf mit Oxalsäure geträufelt. Hier lag der Milbenabfall im Dezember zwischen 45 und 160 Milben. Alle meine durchgeführten Versuche haben mich ermutigt, diesen Weg in der Varroabekämpfung zu gehen. Nie zuvor hatte ich so eine große Überwinterungsrate und eine gesunde Entwicklung der Bienenvölker im Frühjahr. So war ich mir 2021 sicher und habe bei allen meinen Völkern und Ablegern die Königinnen wie beschrieben abgesperrt.

Der Zeitpunkt zum ersten Absperren wird durch die Trachtbedingungen bestimmt. Da in meiner Gegend schon im Juli Trachtende ist, sperre ich die Königin bereits Ende Mai/Anfang Juni ab. Im Absperren während der Tracht sehe ich aber noch einen weiteren Vorteil. Wenn die Bienen keine Brut pflegen, können sie sich mehr auf das Sammeln von Nektar konzentrieren. Allerdings musste ich auch feststellen, dass die Entwicklung der Völker nach allen Absperrungen etwas verhalten verläuft.

Teilweise vereinige ich auch im letzten Jahr gebildete Jungvölker mit dem Muttervolk, um bereits im zeitigen April die erste Frühtracht gut zu nutzen. Wenn man die Bruträume durch Absperrgitter trennt, kann man auch beide Königinnen darin belassen, um schnell viel Bienenmasse aufzubauen. Grundsätzlich bin ich mir sicher, dass ich mit dem Absperren der Königinnen zur Brutunterbrechung auf dem richtigen Weg bin, der sich im Detail aber sicher noch verbessern lässt.

Wenn die Oberträger, wie hier bei einem Dadanträhmchen, etwas breit sind, lassen sich die „Hosenträger-Käfige“ auch einfach in die Wabe einsetzen.

Armin Spürgin: Herrn Wanners Überlegung zur Größe der Königinnen-Absperrkäfige kann ich nur zustimmen. Die Methode, Königinnen abzusperren, um Völker brutfrei zu machen, haben mir erstmals vor vielen Jahren aus Russland stammende Imker vorgestellt. Sie haben Käfige gebaut, die etwa ein Drittel bis zur Hälfte eines Zanderrähmchens einnahmen – so wie Herrn Kellers „Isolator“. Erst viel später kamen dann kleinere Käfige auf den Markt, wovon heute der sogenannte „Hosenträgerkäfig“ aus Italien favorisiert wird. Hosenträger deshalb, weil der Käfig an zwei Bügeln am Rähmchenoberträger eines Rähmchens befestigt werden kann, die aussehen wie kleine Hosenträger. Diesen Käfig habe ich gelegentlich ausprobiert, aber zu wenig, um mir ein Urteil zu erlauben. Dazu nur eine kleine Episode aus dem vergangenen Jahr: In Erwartung einer Zuchtkönigin, die mit der Post kommen sollte, habe ich die alte Königin eines Volkes mit dem Hosenträgerkäfig fixiert und in einem leeren Rähmchen in die Mitte des Volkes gehängt. Nach 10 – 12 Tagen kam die neue Königin. Die Brut im vorbereiteten Volk sollte nun verdeckelt oder geschlüpft, Nachschaffungszellen sollten keine auszubrechen sein. Was mich erwartete, hat mich dann doch überrascht. Die alte Königin lag tot im Käfig. Nachschaffungszellen waren aber keine zu finden. Dafür aber ein Super-Brutnest einer jungen Königin. Wie ist das möglich? Es ist eigentlich nur so zu erklären, dass zum Zeitpunkt des Einsperrens der Königin bereits eine zweite im Volk war, die während der Wartezeit in Eiablage ging. Der Käfig hat aber doch seinen Zweck erfüllt, denn ohne das Absperren wäre die zweite Königin vielleicht unerkannt geblieben und die teure Zuchtkönigin abgestochen worden. Den guten, alten Wohlgemuth-Käfig wieder zum Einsatz zu bringen, finde ich eine gute Idee. Damit aus dem Zusetz- ein Durchlaufkäfig wird, müsste man lediglich das Drahtgitter durch Absperrgitter ersetzen. Versuchsweise sollte man das aber nur mit ein paar Völkern ausprobieren, denn der Wohlgemuth-Käfig ist doch auch recht klein. Für Langzeitsperrungen, wie sie Herr Keller praktiziert, ist er sicher zu eng.

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