Imker fragen Imker

Gibt es Alternativen beim Königinnenzeichnen?

Wie lassen sich Königinnen schonend zeichnen?

Armin Spürgin: Ab und zu gehen Fragen ein, die von den Lesern nicht beantwortet werden. So wie beim Markieren der Königinnen. Da wir in dieser Rubrik keine Fragen offenlassen wollen, werde ich einige Lösungsvorschläge offerieren.

Zum Zeichnen der Königin gibt es tatsächlich wenig Alternativen. Sind es heute meist Farben, die man direkt auf die Königin aufträgt, waren es früher Opalith-Plättchen, die im Fachhandel angeboten wurden. Man erhält sie noch immer auf Karten nach Nummern sortiert oder in kleinen Glasröhrchen in unterschiedlichen Stanzformen (rund, dreieckig, sternförmig etc.). Farbige Aluminiumplättchen, die man mit speziellen Stempeln ausstanzen musste, gehören hingegen der Vergangenheit an. Dafür gibt es welche aus Spezialstahl, sodass man die Königin mit einem Magnetstift, ohne sie anzufassen, aus dem Volk „fischen“ kann.

Aufgeklebt werden die Plättchen mit Schelllack, der sich mit Alkohol verdünnen lässt. Mit dem hinteren Ende eines Streichholzes gibt man einen Tropfen davon auf den Torax der fixierten Königin. Dann dreht man das Streichholz um, feuchtet mit der Zunge den „Schwefelkopf“ etwas an, um ein bereitliegendes Plättchen aufzunehmen und es der Königin sanft auf die Klebestelle zu drücken. Die Königin wird sofort aus der Fixierung befreit und in einem Weiselkäfig zum Trocknen zwischengelagert.

Anstatt Schelllack verwenden viele auch Sekundenkleber-Gel (flüssiger Kleber könnte leicht verschmieren) direkt aus der Tube. Andere wiederum benutzen einen wasserfesten Weißleim. Von diesem Holzleim gibt man etwas auf einen Karton und lässt ihn etwas antrocknen, um danach wie bei Schelllack zu verfahren. Ich habe nie erlebt, dass mit diesem Leim Königinnen ihr Plättchen verlieren.

Da ich kein Reinzüchter bin und meine Königinnen nicht mit Nummern identifizieren muss, zeichne ich sie meist einfach mit Farbe. Und zwar in der jeweiligen Jahresfarbe mit der im Fachhandel erhältlichen „Königin-Zeichenfarbe“, teilweise auch „Königin-Zeichenlack“ genannt. Fälschlicherweise wird sie häufig auch als „Nagellack“ bezeichnet – siehe unten.

An den Verschlusskappen der Fläschchen der Königin-Zeichenfarbe ist kein Pinsel, sondern ein Stäbchen angebracht. Zieht man dieses heraus, bleibt durch die Abstreiföffnung im Flaschenhals meist genau die nötige Menge Lack am Stäbchenende hängen, um eine Königin mit einem schönen runden Klecks zeichnen zu können.

Die Königin lege ich danach in einem Iltiskäfig auf das Volk, dem sie angehört, damit der Lack trocknen und der Geruch verfliegen kann. Falls man sie gleich freigibt, ist die Gefahr groß, dass sie angegriffen und auch abgestochen wird. Wenn ich mehrere Königinnen in Ablegern oder Jungvölkern gleichzeitig zeichne, lasse ich die Königin immer frei, nachdem ich die nächste Königin gefunden und gezeichnet habe. Egal ob es ein paar Minuten oder eine Viertelstunde dauert, habe ich noch nie erlebt, dass eine Königin nicht angenommen worden wäre.

Von der Verwendung eines herkömmlichen Nagellacks rate ich ab. Diese sind weder bezüglich der dauerhaften Anhaftung auf der Königin getestet, noch gibt es Erfahrungen möglicher Schädigungen durch Inhaltsstoffe, und das Auftragen mit dem Pinsel ist weniger komfortabel als mit dem Stäbchen. Zudem sind Nagellacke nicht so leicht in Gelb, Blau und Grün zu bekommen, und sie sind schließlich auch nicht billiger als die Zeichenfarbe des Imkerei-Fachhandels. Einziger Nachteil ist die Haltbarkeit. Im Folgejahr kann man zwar noch ein paar Königinnen damit zeichnen. Ältere Farbe wird aber nach und nach unbrauchbar, und die Original-Verdünnung ist teurer als die Farbe selbst. Man kauft die Farbe also besser einzeln und nie im Fünferpack.

Im Fünferpack mit den Jahresfarben kaufen kann man dagegen Zeichenstifte („Filzstifte“). Viele verwenden sie mit Vorliebe, aber ich habe leider noch keinen gefunden, bei dem die Farbe nicht meist nach kurzer Zeit teilweise oder vollständig von den Bienen abgeknabbert war.

Hat man die Königin mit dem Zeichenrohr von der Wabe abgefangen, ist sie auch schnell fixiert und gezeichnet. Etwa mitgefangene Bienen können durch den oberen Schlitz abfliegen. Beim Markieren stützt man die Hand auf dem Tisch ab.

Zieht man den Stopfen zurück, hat die Königin wieder Bewegungsfreiheit und die Farbe kann trocknen. Danach kann man sie problemlos ins Volk zurücklaufen lassen.

Dieses standfeste Zeichenrohr hat im Gegensatz zu den anderen Fotos kein Gewinde, um den Stopfen hochzudrehen. Dieses braucht es im Grunde auch nicht, da alle Königinnen etwa gleich groß sind.

Da sich viele Imker mit dem Zeichnen einer Königin schwer tun, will ich ein Hilfsmittel empfehlen, mit dem sich die Königin einfach und sicher fixieren lässt. Das Zeichenrohr ist an einem Ende dachähnlich abgeschnitten und so weit mit transparenten Plastikplättchen verklebt, dass an der Spitze ein schmaler Streifen frei bleibt. Der Spalt ist so breit, dass gerade noch eine Arbeiterin hindurch schlüpfen kann, wohingegen eine Königin (oder zum Üben auch ein Drohn) den Spalt nicht passieren kann. Die Königin fängt man direkt mit dem Rohr von der Wabe. Eventuell auch unter Zuhilfenahme eines kleinen Kartonstückchens zum vorübergehenden Verschließen. Dann wird die Königin mit einem Schaumstoff-gepolsterten Stopfen im Rohr vorsichtig nach oben geschoben, bis sie sich parallel in die offene Dachkante legt. Jetzt kann man das Zeichenrohr auf den Tisch stellen und mit dem Zeichnen beginnen. Bei jedem Schritt kann ich dabei die Hand auf dem Tisch abstützen und Leim, Plättchen oder Farbe zitterfrei aufbringen. Ist das passiert, zieht man einfach den Stopfen etwas zurück, und die Königin kann sich wieder frei bewegen, der Leim oder die Farbe kann trocknen. Nach einigen Minuten stelle ich das unten geöffnete Rohr auf eine Wabengasse und die Königin krabbelt wieder in ihr Volk zurück. Dieses Zeichenrohr ist als Zeichenhilfe unschlagbar und weit besser als alle möglichen Netz- oder Gitterkonstruktionen. Der einzige Nachteil ist der Preis für das bisschen Plastik. Kommt das dem Erfinder zugute, dann hat er es aber wirklich verdient.

Digitale Ausgabe bienen&natur

Holen Sie sich noch mehr wertvolle Fachinfos.
Lesen Sie weiter in der digitalen bienen&natur !

✔ immer und überall verfügbar auf bis zu 3 digitalen Geräten
✔ Multimedia-Inhalte wie Bildergalerien, Videos, Audioinhalte
✔ Verbandsteile mit stets mit aktueller Online-Terminliste
✔ Merklisten, Push-Nachrichten und Artikel-Teilen