Bienengesundheit

Wabentasche und Wärmebehandlung

So sieht die Wabe nach zwölf Tagen in der Wabentasche aus: von oben bis unten verdeckelt.

Bereits Ende März bzw. Anfang April haben wir mit der Hyperthermie eine Frühjahrsbehandlung gemacht und unseren Bienen damit einen guten Start mit möglichst wenig Milben ermöglicht. Die Bienenvölker haben sich prächtig entwickelt, sind dabei, Frühtracht einzutragen – und entwickeln sich ihrem Höchststand entgegen. Aber nicht nur die Bienenmasse erreicht bald ihren Höhepunkt, sondern auch die Anzahl der Varroamilben steigt mit jeder schlüpfenden Generation an Jungbienen. Wir haben in unseren Bienenvölkern Ende Mai und im Juni eine große Anzahl an Brutzellen und darin ca. 70 Prozent der Varroamilben, die restlichen Milben sitzen auf den erwachsenen Bienen. Das bedeutet: Wenn wir jetzt nicht handeln, würde die Schadschwelle bereits mit dem Schlüpfen der Bienenbrut zur Sommersonnenwende überschritten, und die Milben würden die Winterbienen schädigen.

Da ich nur in einem Zander-Brutraum imkere, ist das Brutnest bereits vor dem Einsetzen der Wabentasche sehr kompakt.

Milben fangen mit der Wabentasche

Deshalb beginnen wir zur Sommersonnenwende (21. Juni) mit der Sommerbehandlung, je nach Trachtsituation und Standort auch ein paar Tage bzw. sogar Wochen vorher. Zu diesem Zeitpunkt honigt oft noch die Linde und liefert mit dem Einsatz der Duplex-Wabentaschen zusätzlich Tracht, da das Volk weniger Brut pflegen muss und damit mehr Energie in das Sammeln von Nektar investieren kann. Mit der Wabentasche lässt sich somit auch sehr gut die Tracht steuern.

Ich hänge die Duplex-Wabentasche mit den beiden Waben in die Mitte des Brutraumes.

Für jedes Wirtschaftsvolk wird somit eine Wabentasche (Duplex-Wabentaschen gibt es für alle gängigen Rähmchenmaße) vorbereitet. Die Wabentasche sollte unbedingt Platz für zwei Bruträhmchen bieten, damit die Königin ausreichend viele Zellen zur Eiablage vorfindet. Damit gehen auch ausreichend viele Duftstoffe von der offenen Brut aus: Diesem Duft folgen die Varroa-​milben und werden dort eingeschlossen, wenn die Bienen die Brut verdeckeln. Damit sind sie in diesem Rähmchen „gefangen“ und wir können sie später einfach entnehmen.

Die Duplex-Wabentasche funktioniert wie ein Absperrgitter: Die Bienen können ein- und ausgehen, die Königin kommt hingegen nicht durch die Tasche und kann sich nur in ihr bewegen.

Die Flächen für die Rähmchen-Ohren sind ausgespart, oben wird die Wabentasche mit einem Deckel verschlossen.

So wenden wir die Wabentaschen an:

  • Erster Schritt: Königin in Wabentasche sperren. Wir öffnen das Volk und suchen das Rähmchen mit den frischen Eiern und den kleinen Larven – meist befindet sich die Königin auf diesem Rähmchen. Wenn nicht, muss die Königin ebenfalls gesucht werden. Dieses Rähmchen und die Königin kommen nun in die Duplex-Wabentasche. Als zweites Rähmchen kommt ein honigfeuchtes Rähmchen (von der Schleuderung der Frühtracht) in die Duplex-Wabentasche. Dann wird diese mit dem Deckel verschlossen und in die Mitte des Brutnestes gehängt. Wenn Sie mit zwei Zargen im Brutraum imkern, dann die Duplex-Wabentasche in die obere Zarge hängen. Ich selbst imkere nur mit einem Brut-raum (Zander) und gebe die Duplex-Wabentasche daher in die Mitte dieser Brutzarge. Die Königin hat jetzt in der Wabentasche zwei Rähmchen, auf denen sie bei Zander ca. 12.000 Zellen zur Eiablage zur Verfügung hat. Dies ist ausreichend, um die Königin in ihrer Aktivität nicht zu sehr einzuschränken – gleichzeitig kann sie genügend Brutzellen anlegen, wodurch die Milben durch den Duft der offenen Brut angelockt und dann beim Verdeckeln eingesperrt werden.
  • Zweiter Schritt: Waben austauschen. Nach zwölf Tagen sind außerhalb der Wabentasche alle Brutzellen verdeckelt bzw. bereits zuvor verdeckelte Zellen geschlüpft. Das ist für uns der richtige Zeitpunkt, um diese beiden verdeckelten Bruträhmchen aus der Wabentasche zu entnehmen, die Königin abzufangen und erneut mit zwei honigfeuchten Rähmchen in die Wabentasche zurückzusetzen. Die Bienen werden die honigfeuchten Waben sofort putzen, und die Königin kann von neuem auf diesen Rähmchen legen. Die Milben haben nun nur noch die Möglichkeit, sich in diesen zwei Rähmchen in der Wabentasche zu vermehren. In den beiden entnommenen Rähmchen ist jetzt bereits ein Teil der Milben gefangen, und wir haben jetzt zwei Möglichkeiten für diese beiden Bruträhmchen.
  • Möglichkeit 1: Ableger bilden. Erwarten wir keine weitere große Tracht, so können wir mit den beiden Waben Ableger machen. Hierfür nehmen wir die zwei Bruträhmchen samt den ansitzenden Bienen (ohne Königin) und zwei weitere Bruträhmchen aus der Wabentasche eines anderen Volks, geben eine Futterwabe hinzu und beweiseln den Ableger mit einer Königin oder einer Weiselzelle. Diese Ableger bringen wir an einen anderen Standort, damit die Bienen nicht zurückfliegen. Am nächsten Tag werden die Bruträhmchen mittels Hyperthermie behandelt. Nach der Wärmebehandlung sind die Milben in diesen Rähmchen abgetötet, und der Ableger startet fast milbenfrei. Da wir die Bruträhmchen bereits am zwölften Tag entnommen haben und am nächsten (also am 13. Tag) die Wärmebehandlung machen, können wir davon ausgehen, dass die Milben die Bienenpuppen noch nicht durch einen Biss geschädigt haben und somit gesunde Bienen ohne Milben schlüpfen. Wichtig ist hier, dass tatsächlich am Tag nach der Entnahme die Wärmebehandlung erfolgt.
  • Möglichkeit 2: Wieder ins Volk hängen. Wenn wir keine Ableger machen, weil wir noch eine Sommertracht erwarten, kommen die beiden Bruträhmchen nach dem zwölften Tag aus der Wabentasche und werden sofort im Varroa Controller thermisch behandelt. Nach der Behandlung kann ich diese in das Volk zurückhängen und dafür zwei bereits dunkle Waben entnehmen oder ein anderes Volk damit verstärken.
  • Dritter Schritt: Letzte Brut behandeln. Jetzt haben wir wieder zwölf Tage Zeit, in denen die Königin ihrem Brutgeschäft nachkommen kann. In der Zwischenzeit schlüpft außerhalb der Wabentasche die restliche Brut, und die Milben finden nur noch in der Wabentasche offene Brut und werden vom Duft angelockt. Da sich die Milben nur in der Brut vermehren, werden sie diese letzten Zellen suchen und sich dort einsperren lassen. Damit haben wir den größten Teil der Milben gefangen. Nach diesen zwölf Tagen entnehmen wir die Wabentasche und lassen die Königin wieder frei. Die Bruträhmchen aus der Wabentasche können dann nach den oben genannten zwei Möglichkeiten thermisch behandelt werden. Anschließend können wir mit ihnen die Völker in der Tracht oder die Ableger verstärken.

Mit der Sommerbehandlung mit Wabentasche und Hyperthermie können wir die Milbenlast erneut um 70 Prozent reduzieren und sie so unter der Schadschwelle halten.

Weitere Vorteile: Wabenhygiene und mehr Honig

Damit haben wir bei unseren Bienenvölkern eine völlig chemiefreie Behandlung gegen die Varroa- milbe gemacht, so den Varroadruck unter der Schadschwelle gehalten, und wir können uns auf die Entwicklung von gesunden Winterbienen freuen. Die Ableger werden sich ebenso gut entwickeln und auch ohne Virenbelastung durchstarten können. Da wir eine völlige Brutfreiheit erreichen, können wir davon ausgehen, dass wir bei einer Sommertracht mehr Honig ernten, weil die Bienen viel weniger Brut pflegen müssen. Durch die Brutfreiheit ist es auch sehr einfach, die Königin zu diesem Zeitpunkt zu tauschen. Zudem können wir uns um die Wabenhygiene kümmern: Am 24. Tag, also wenn die Wabentaschen wieder aus den Völkern entfernt werden und die Königin freigelassen wird, sind die dunklen Waben alle brutfrei und können bei dieser Gelegenheit entnommen und durch Mittelwände ersetzt werden. Dieses Verfahren hat meiner Meinung nach großes Potenzial: chemiefreie Sommerbehandlung, Honigertrag steigern, Wabenhygiene einfach durchführen. Den idealen Zeitpunkt muss aber jeder selber bestimmen, je nach Region und Trachtverhältnissen. Bedenken Sie, dass ca. sechs Wochen vergehen, bis aus einem Ei eine Flugbiene wird. Daher können Sie sich Mitte Mai schon die Frage stellen, was denn Anfang Juli an Ihrem Standort noch blüht und Tracht bringen wird. Erwarten Sie ab Juli keine Tracht mehr, können Sie mit der Wabentasche auch schon Ende Mai starten. Was dann auch dazu führen kann, dass die Schwarmkontrolle entfällt, da die Königinnen in der Wabentasche nicht schwärmen.Nach dieser Sommerbehandlung haben wir wieder Zeit bis zur Herbstbehandlung. Ich melde mich dann rechtzeitig mit den Tipps und Tricks, wie es weitergeht. Bis dahin wünsche ich Euch viel Erfolg bei der Umsetzung der chemiefreien Imkerei, volle Honigkannen und gesunde Bienenvölker.

Serie

Chemiefreie Imkerei mittels Hyperthermie

  • Teil 1: Im Februar 2022 habe ich die Wichtigkeit der Frühjahrsbehandlung mit der Hyperthermie beschrieben.
  • Teil 2: Im vorliegenden Beitrag beschreibe ich den vorteilhaften Einsatz der Bannwabe mit anschließender Hyperthermie.
  • Teil 3: Im September zeige ich Ihnen, wie Sie die entscheidende, kombinierte Herbstbehandlung mittels Hyperthermie und Restentmilbung machen können, um sicher zu überwintern.
  • Teil 4: Im Dezember werde ich über die verschiedenen gemeinschaftlichen Nutzungsformen der Hyperthermie samt einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung berichten.

Fragen zur Hyperthermie

Falls Sie Fragen zu einem meiner Themen haben, können Sie diese gerne auf meiner Facebook-Seite „Freunde der Hyperthermie“ stellen. Dort finden Sie auch die Ankündigungen meiner Webinare zur chemiefreien Imkerei. Schreiben Sie mir auch gerne eine E-Mail: office@imkerei-tratsch.at

Autor

Kurt Tratsch

ist Imkermeister und bewirtschaftet in der Steiermark ca. 200 Bienenvölker an ca. 10 – 14 Standorten in verschiedenen Höhenlagen.

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