Wo bleibt der Impfstoff gegen die ASP?

Ein Impfstoff könnte helfen, ASP bei Wildschweinen zu bekämpfen.Die Komplexität des Virus erschwert aber die Entwicklung.

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis ein ASP-Impfstoff für die Praxis verfügbar ist?

Da ist eine Abschätzung sehr schwierig, zumal allein der Zulassungsprozess sehr zeitaufwendig ist. Hier muss man eher langfristig denken. Zeitangaben wecken nur falsche Hoffnungen oder Erwartungen.

Seit wann forschen Sie am FLI an einem ASP-Impfstoff und wie sieht es an anderen Forschungseinrichtungen aus?

Das FLI hat seine Forschung zur ASP nach dem Eintrag in die transkaukasischen Länder 2007 intensiviert. In den folgenden Jahren gab es eigene Versuche mit und an Impfstoffen. Weltweit arbeiten verschiedene Forschungsgruppen an einem Impfstoff. Mit vielen von ihnen kooperiert das FLI. International gab es erste Ansätze schon in den 60er-Jahren. Die frühen Lebendimpfstoffe basierten auf abgeschwächten Virenstämmen und wurden in Portugal und Spanien tausendfach eingesetzt. Sie verursachten aber bei vielen geimpften Tieren chronische Läsionen und führten zu einem Anstieg der Fallzahlen. Der Einsatz wurde schließlich eingestellt. Deshalb müssen die Sicherheitsaspekte der heutigen Lebendimpfstoffkandidaten genau geprüft werden. Es sollte keine übereilten Lösungen geben.

Gibt es schon Fortschritte auf dem Weg zu einem Impfstoff?

In den vergangenen Jahren gab es Berichte von mehreren Lebendimpfstoffkandidaten, die unter experimentellen Bedingungen einen kompletten oder nahezu kompletten Schutz gegen eine Belastungsinfektion boten. Sie wurden von mehreren internationalen Gruppen erarbeitet und getestet. Wir sind in die Testung eingebunden und sehen durchaus Erfolge.

Zur Gesprächspartnerin

Dr. Sandra Blome
arbeitet beim Institut für Virusdiagnostik des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI).

Dr. Sandra Blome

Warum ist es so schwer, einen ASP-Impfstoff zu entwickeln?

Das ASP-Virus ist sehr komplex und nutzt verschiedene Mechanismen, um der Immunabwehr zu entgehen. Es blockiert zum Beispiel natürliche Abwehrmechanismen. Dazu kommt, dass längst noch nicht alle Funktionen der involvierten Erbinformationen des Virus bekannt sind. Sowohl zur Lokalisation und Funktion viraler Proteine als auch zur Schutzkorrelate in der Immunantwort des Wirtes gibt es noch Wissenslücken. Außerdem fehlt eine permanente Produktionszelllinie, die ausreichend empfänglich für das Virus ist und seine genetische Stabilität nicht einschränkt. Das behindert die Herstellung der meisten Impfstoffkandidaten. Eine Herstellung mittels Zellkultur wäre derzeit nicht möglich. Gegen die Klassische Schweinepest gibt es einen guten Köderimpfstoff, der erfolgreich bei Wildschweinen eingesetzt wurde. Allerdings unterscheidet sich dieses Virus stark vom ASP-Virus. Man kann also nicht einfach das Prinzip kopieren.

Wird es eher einen Impfstoff für Wildschweine oder einen für Hausschweine geben?

Die Notwendigkeit der Impfung von Hausschweinen ist fraglich, weil Ausbrüche bei Hausschweinen in den meisten Ländern selten sind und eine erfolgreiche Bekämpfung anders möglich ist. Aber ein Impfstoff könnte helfen, die ASP bei Wildschweinen zu bekämpfen. Allerdings gelten hier besonders hohe Anforderungen an die Unschädlichkeit und genetische Stabilität des Impfstoffs. Außerdem ist für Wildschweine ein Lebendimpfstoff nötig, den sie mit einem Fressköder aufnehmen können. Doch bislang gibt es keine Impfstoffkandidaten, die ausreichend in Experimenten mit oraler Immunisierung getestet wurden. Wie gesagt: Hier ist die Sicherheit besonders wichtig, um keine nachteiligen Effekte zu provozieren.

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