DORFLEBEN

Grüne Lunge Nordhorns unter der Lupe

Jochen Borgmann hat sich in seiner Masterarbeit mit dem städtischen Baumbestand in Nordhorn auseinandergesetzt.

Mehr als 13.500 Bäume finden sich im Baumkataster der Stadt Nordhorn, sie sind Teil der „grünen Lunge“ der Kommune. Jochen Borgmann aus Gildehaus hat sich während seines Studiums in seiner Masterarbeit genauer mit dem städtischen Grün befasst und ein Konzept für die Entwicklung, Erhaltung und Erneuerung des Straßenbaumbestandes der Stadt Nordhorn im Hinblick auf den Klimawandel erstellt. Eine umfangreiche Aufgabe, allein mit Blick auf das Baumkataster und die darin aufgenommenen Bäume. „Sieben Gattungen machen in Nordhorn rund 75 Prozent des Straßenbaumbestandes aus. Bei den Eichen finden sich immerhin 3.658 Bäume, danach folgen Linden mit 2.554 Exemplaren“, berichtet Jochen Borgmann.

Studium: Baum- und Waldmanagement

Erfahrungen mit Bäumen und ihrem Umfeld bringt der 27-Jährige zur Genüge mit: Während Vater Alfred Borgmann als Revierförster die Wälder der Stadt Gronau und der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) betreut, schlug Jochen Borgmann zunächst die Ausbildung zum Forstwirt ein und absolvierte anschließend sein Fachabitur an der Fachoberschule in Ebstorf mit dem Schwerpunkt Forstwirtschaft. Mit theoretischem und praktischem Wissen gut gewappnet, folgte das Bachelorstudium der Forstwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen. „Weil mir die Inhalte an der Uni zu theoretisch waren, habe ich mich für den Master für ein Studium an der benachbarten „Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst“ (HAWK) entschieden“, erzählt Jochen Borgmann. An der Fakultät für Ressourcenmanagement bietet die HAWK seit wenigen Jahren den Masterstudiengang „Urbanes Baum- und Waldmanagement“ an, bei dem Wälder und Bäume im städtischen Raum im Mittelpunkt stehen. „Konkret geht es um den Erhalt und die Sicherung von Bäumen und Gehölzen in der Stadt, da spielt die Stadtplanung eine wichtige Rolle“, sagt der Student.

Schon im Oktober 2020 führte Jochen Borgmann ein Projekt während des Studiums in die Kreisstadt an der Vechte in den Bereich Stadtentwicklung und Grünflächenamt. Betreut vom Umweltbeauftragten der Stadt, Gerwin Rademaker, unterzog Jochen Borgmann den städtischen Baumbestand einer Analyse: Konkret ging es dabei unter anderem um die Baumartenzusammensetzung und Vitalität der Bäume. „Dabei habe ich auch Baumkontrolleur Philip Goden-Schwager begleitet. Nordhorn ist auf jeden Fall eine sehr grüne Stadt mit einem insgesamt sehr jungen und gesunden Baumbestand“, stellt der Student heraus.

Während des mit dem Projekt verbundenen Praktikums kam schließlich auch die Idee für die Masterarbeit auf, die später von den bereits erhobenen Daten profitieren sollte. Die Arbeit widmet sich einer Vielzahl an Themen und kann als echtes Werkzeug und Handlungsleitfaden für den städtischen Baumbestand verstanden werden. Mit dem Klimawandel verschärft sich die ohnehin nicht einfache Situation für viele Baumarten im urbanen Raum. Flächenversieglung und Flächenverdichtung sorgen neben Streusalz, Hundeurin, Krankheiten, Autoabgasen und anderen Dingen dafür, das Bäume in der Stadt nur selten ihre mögliche Lebensspanne voll ausschöpfen können. „Deshalb ist es zukünftig umso wichtiger, auf mehr Arten zu setzen. Eichen nehmen eine wichtige Rolle ein und sollten unbedingt erhalten werden, sie kommen gut mit den sandigen Böden zurecht“, appelliert Jochen Borgmann. Im selben Kontext wird auch die Gestaltung der Pflanzplätze immer wichtiger, deren Oberfläche sechs Quadratmeter messen sollte. Ganz im Sinne des „Schwamm-Stadt“-Prinzips soll Regenwasser nicht abgeleitet werden, sondern in der Stadt verbleiben – dabei spielen die kleinen Beete rund um die Baumstandorte eine wichtige Rolle.

Analyse und Baum-artenempfehlungen

Für insgesamt 45 Straßen hat der Gildehauser Straßenraum und Baumbestand beschrieben und dabei Potenziale und mögliche Defizite aufgezeigt. Diese individuelle Analyse mündet stets in einer Baumartenempfehlung und Hinweise zur Bepflanzung. Im Bereich der Lindenallee beispielsweise stellt die hohe Verkehrsbelastung ein Problem dar, zudem werden die Baumstandorte häufig als „Hundetoilette“ zweckentfremdet. In seiner Analyse stellt Borgmann aber auch die ästhetisch hohe Bedeutung der Linden heraus und beschreibt sie als „grüne Lunge“ des Wohngebietes, die zur Durchgrünung des gesamten Straßenzuges beiträgt. Hier empfiehlt er die Erhaltung des bepflanzten Mittelstreifens und regt bei Neupflanzungen zum Beispiel Winterlinden der Sorte „Erecta“ und „Greenspire“ an.

Die umfangreiche Arbeit hat schließlich auch Prof. Dr. Rolf Kehr als Erstprüfer der HAWK und Nordhorns Stadtbaurat Thimo Weitemeier als Zweitprüfer überzeugt und Jochen Borgmann ein gutes Ergebnis eingebracht. Die Stadt Nordhorn kann nun zusätzlich zum bereits vorhandenen Baumkataster auf eine detaillierte Analyse und Handlungsempfehlungen zurückgreifen – in Zeiten des Klimawandels ein kleiner Schatz.

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