Elefant gegen Rennmaus

Landmaschinen auf der Straße sorgen bei Autofahrern für gemischte Gefühle.

Elefanten mag beinahe jeder. Sie sind eindrucksvolle Erscheinungen, überragen fast alles in ihrer Umgebung, agieren geschickt und clever. Gleichzeitig werden sie in ihrer Geschwindigkeit und Reichweite nicht selten unterschätzt und können allein durch Größe und Kraft durchaus gefährlich sein – der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen eben.

Das meiste von dem, was für die großen Dickhäuter gilt, gilt für Landtechnik im Straßenverkehr ganz ähnlich. Das bringt für die Führer dieser Maschinen eine erhebliche Verantwortung mit sich.

Landtechnik im Straßenverkehr

Landmaschinen auf der Straße sorgen bei Autofahrern für gemischte Gefühle. Zum einen sind die meisten technikaffinen Menschen von den mächtigen Geräten fasziniert, zum anderen bremsen Traktor, Drescher und Co. oft den fließenden Verkehr aus und behindern die Sicht vor allem der nachfolgenden Fahrer. Und obwohl sie selbst gut zu erkennen sind, sind sie auch immer wieder in Verkehrsunfälle verwickelt.

Im Jahr 2011 hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) mit Unterstützung der Allianz und des Landwirtschaftlichen Versicherungsvereins Münster (LVM) umfang- reiche Daten von Verkehrsunfällen mit Land- maschinenbeteiligung aus den Jahren 2006 bis 2008 analysiert. Auch wenn diese Ergebnisse inzwischen bereits gut zehn Jahre alt sind, sind sie doch in ihrer Tiefe und Genauigkeit die beste Quelle für diese Thematik.

Untersucht wurden vor allem Unfälle mit Personenschäden. Das Ergebnis: Zusammenstöße und andere Vorkommnisse sind – der geringen Anzahl von Landmaschinen im Straßenverkehr geschuldet – insgesamt betrachtet zwar selten. Im Jahr 2008 machten sie nur etwa 0,6 Prozent aller erfassten Verkehrsunfälle in Deutschland aus. Sie enden aber überdurchschnittlich oft mit schweren Personenschäden. Die Anteile getöteter und schwerverletzter Menschen lagen ungefähr doppelt so hoch wie der Anteil der Landmaschinenunfälle insgesamt.

Unfälle meist außerorts am Tag

Häufigste Unfallgegner waren Pkws mit 62,2 Prozent, gefolgt von Zweiradmaschinen mit 21,2 Prozent. Deren relativ häufiges Auftreten im Vergleich zur Gesamtunfallstatistik – dort sind nur an 15 Prozent aller Personenschadenunfälle Motorräder beteiligt – dürfte vor allem damit zu tun haben, dass die warme Jahreszeit und sonnige Tage sowohl für Feldarbeiten als auch für Motorradausflüge prädestiniert sind.

65%

aller Verkehrsunfälle mit Landmaschinen ereignen sich außerorts.

Die meisten Verkehrsunfälle mit Landmaschinen, so die Auswertung der UDV, ereignen sich außerorts (65 Prozent) und bei Tageslicht (rund 85 Prozent). Etwa 45 Prozent aller Unfälle sind Zusammenstöße, bei denen eines der Fahrzeuge auf die Fahrbahn des anderen einbog oder sie kreuzte. Dabei sind die beteiligten Landwirte überdurchschnittlich oft die Hauptverursacher, vor allem weil die Verkehrsfreiheit im Umfeld nicht sorgfältig genug gecheckt wurde.

Auch überhöhte Geschwindigkeit spielt hier eine Rolle. Viele Pkw- und Motorradfahrer unterschätzen, wie lange eine Landmaschine zum Abbiegen braucht, und bremsen erst viel zu spät. Eine weitere Gefahrenquelle sind Ausfahrten aus Höfen und Einmündungen von Äckern und Wiesen. Andere Verkehrsteilnehmer rechnen oft nicht mit ein- oder abbiegenden Traktoren, Mähdreschern und Ähnlichem, bewies die Auswertung von Unfallberichten.

Viele Unfallfahrer sind noch jung

Bei allen Arten von Unfällen mit landwirtschaftlichen Maschinen spielen Unaufmerksamkeit, Ablenkung und falsche Einschätzung der Verkehrssituation die Hauptrolle. Auch Wettereinflüsse wie Nebel, Starkregen und tiefstehende Sonne führen besonders häufig zu Unfällen. Fahren unter Alkohol wurde dagegen nur in 1 Prozent der erfassten Fälle als Unfallursache angegeben.

Als besonders bedenklich hob die Unfallforschung der Versicherer nach ihrer Auswertung hervor, dass – verglichen mit der Gesamtbevölkerungsstruktur – viele junge Landwirte in Verkehrsunfälle verwickelt sind. Peaks gab es vor allem in den Altergruppen 18 bis 25 Jahre und 40 bis 50 Jahre. Letztere ist allerdings als Landmaschinenführer auch deutlich häufiger im Straßenverkehr unterwegs.

Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass viele Verkehrsunfälle mit Landmaschinenbeteiligung durch höhere Aufmerksamkeit, bessere Vorausschau und mehr Einfühlungsvermögen in Fahr- und Sichtweise anderer Verkehrsteilnehmer vermeidbar wären. Das gilt für beide Seiten – Landwirte wie Nichtlandwirte.●

Vorgeschmack: Verkehrstipps im Video

zu finden.

Das vollständige Video in voller Länger finden Sie in Kürze an dieser Stelle.

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