Mit Luzerne gesund füttern

Thomas Asmussen macht gute Erfahrungen mit Luzerne als Beschäftigungsfutter.

Kaum öffnet sich die Außentür hinter der selbsterdachten Raufe, ist es, als würde der Eisverkäufer am Badestrand seine Luke öffnen: Sofort stehen alle Sauen im Wartestall auf und laufen los. Es wird ein bisschen gedrängelt; eine Traube bildet sich. Jede will die erste Kugel Eis – in diesem Fall den ersten Bissen Luzernesilage – ergattern. „Hier herrscht zum Glück eine gewisse Rangordnung. Deshalb läuft es einigermaßen gesittet ab, wenn wir neue Luzerne auffüllen“, sagt Thomas Asmussen.

Auf den Punkt

  • Landwirt Thomas Asmussen hält 150 Sauen im geschlossenen System.
  • Er setzt sich intensiv mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden seiner Tiere auseinander.
  • Der Sauenhalter wollte sein eigenes Raufutter erzeugen und setzt auf Luzerne.

Der 49-jährige Landwirt aus Angeln in Schleswig-Holstein hält 150 Sauen im geschlossenen System und remontiert die Herde selbst (siehe Tabelle „Der Betrieb Asmussen“). „Wir haben vor gut drei Jahren auf Schweizer Genetik umgestellt“, sagt Thomas Asmussen. Er glaubt für seinen Betrieb, dass die Schweizer Sau den zukünftigen Haltungsbedingungen näher kommt als andere Genetiken.

Themen Tierwohl und Haltung

Asmussen beschäftigt sich intensiv mit möglichen Tierwohlverbesserungen und den neuen Haltungsvorschriften. So hat er zum Beispiel schon gleich zu Anfang am Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz teilgenommen. „Dort bin ich auf die Luzerne aufmerksam geworden.

Die süddeutschen Kollegen nutzen sie in der Schweinefütterung und berichteten begeistert über die Vorteile“, sagt der Sauenhalter.

Im Wartebereich setzt der Sauenhalter schon lange auf Großgruppen an der Abruffütterungsstation. Der Bereich bietet Platz für 60 Tiere.

Luzerne sei ein gutes Raufutter. Sie enthalte aber auch viel Eiweiß. Der Landwirt ergänzt: „Luzerne ist außerdem der biologische Hersteller der Salicylsäure. Diese wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend.“ Damit sei die Luzerne nicht nur ein gutes Beschäftigungsfutter, sondern richtiggehend ein Gesundfutter.

Für Thomas Asmussen ist das ein wichtiger Aspekt, denn er kupiert seit gut zehn Jahren keine Schwänze mehr. „Die Tiergesundheit beziehungsweise die Darmgesundheit sind neben der Genetik und der Wasserversorgung in meinen Augen die wichtigsten Faktoren.“ Deshalb legt er sehr viel Wert auf das Futter. „Das Nadelöhr ist die Darmgesundheit. Die müssen wir fördern, damit es mit dem Langschwanz klappen kann.“

Sauen wollen Struktur

Bei den Sauen setzt Thomas Asmussen deshalb auf Faser und Struktur im Futter, das er komplett zukauft. Für die tragenden Sauen besteht es aus nur leicht gepressten 5-mm-Pellets. Außerdem enthalte das Futter 7 Prozent ausgewogene Rohfaserkomponenten und nicht zu viel Weizen. Er sei in großen Mengen der Darmgesundheit nicht zuträglich. Das Sauenfutter enthält nur 20 Prozent Weizen und je 15 Prozent Gerste und Roggen.

Einmal täglich erhalten die Sauen im Wartebereich Luzernesilage in der improvisierten Raufe. Die lässt sich durch die Außentür von Außen gut befüllen.

Hinzu kommen unter anderem Gesteinsmehl zur Toxinbindung und für das Gleichgewicht im Darm sowie Huminsäure. Sie regt die Tätigkeit der Darmschleimhaut dazu an, eine Schutzschicht gegen Toxine aufzubauen. So würden insgesamt weniger Toxine in die Blutbahn gelangen.

Luzerne oder Gras

Um seine Schweine noch artgerechter zu versorgen und das Tierwohl weiter zu verbessern, nutzt der Sauenhalter gutes Raufutter. Der Handel bietet beispielsweise gepresste Raufaserriegel oder Ähnliches an. „Aber reicht das? Bringen sie dem Tier wirklich mehr Wohlbefinden?“ Thomas Asmussen hat sich bewusst für Heu oder Silage in der Raufe als Beschäftigungsfutter entschieden. Er wollte es gerne selbst anbauen, da auch die Biosicherheit für ihn eine Rolle spielt. Nach den Gesprächen mit seinen süddeutschen Kollegen fiel seine Wahl auf Luzerne anstelle von Gras.

Sein Instinkt wurde belohnt. „Luzerne ist ein tolles Beschäftigungsfutter. Die Sauen stehen da voll drauf. Wenn ich zwischendurch mal Heu verteile, ist die Begeisterung längst nicht so groß“, sagt der Sauenhalter und schmunzelt. „In der Luzerne muss irgendwas sein, das die Sauen gut finden, denn der Effekt hält an. Schließlich bekommen sie sie jetzt schon über ein halbes Jahr.“

Die Sauen erhalten die Luzernesilage aus ganzen Pflanzen, für die Mast hat der Landwirt Ballen mit geschnittener Luzerne.

So kam es im September 2020 zum ersten Anbauversuch mit Luzerne (siehe Kasten unten „Luzerne: Anbau und Ernte“). Nachdem er leider nicht so gut lief und Asmussen im Frühjahr 2021 noch mal neu einsäte, verfütterte er die erste Luzerne im Sommer zunächst frisch als Grünfutter direkt an seine Sauen im Wartestall. „Wir sind jeden Tag mit dem Mähbalken losgezogen, konnten aber gar nicht so viel mähen, wie die Sauen an Luzerne weggefressen haben.“ Auf Dauer sei das zu viel Handarbeit und keine Lösung. Seit September vergangenen Jahres erhalten die Sauen deshalb die Luzerne als Silage. „Die fressen sie beinahe genauso gern.“

Ein Rundballen reicht für 60 Sauen etwa eine Woche. Thomas Asmussen hofft, dass die 1,2 ha Anbaufläche auf Dauer für seine Schweine ausreichen. „Dieses Jahr konnten wir ja nur einmal richtig ernten. Dauerhaft hoffe ich auf bis zu drei Schnitte im Jahr.“

Luzerne für alle

Am liebsten würde der Landwirt die Luzerne allen seinen Schweinen anbieten. „Gerade in der Ferkelaufzucht könnte sie sich sehr positiv auswirken, aber so weit sind wir noch nicht. Das ist eine Aufgabe für die Zukunft.“

So profitieren derzeit vor allem die Sauen einmal täglich vom Gesundfutter Luzerne. Im Wartestall kann der Sauenhalter sie über zwei Außentüren geben, die mit dem innen liegenden Gitter eine gute Raufe bilden. Gelagert werden die Ballen nahe des Stalls. Thomas Asmussen hat extra ein Abdach gebaut, damit der Ballen, der gerade verfüttert wird, trocken gelagert werden kann.

Ein wenig Silage würde immer durch die Spalten fallen, aber das sei mit Stroh nicht anders. Er hat festgestellt, dass die Schwimmschicht mit Stroh und Heu sogar komplizierter ist als mit Luzerne.

„Wir können zur Not die Güllekanäle auch spülen.“ Trotzdem: Ein begrenzender Faktor für die Luzernegabe – aber auch jedes anderen Raufutters – ist in allen Ställen auch auf dem Betrieb Asmussen das derzeitige Güllesystem.

Herausforderung Zukunft

„Ich muss aber in naher Zukunft eh neu bauen. Die Vorgaben der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sind in unseren alten Ställen nicht umsetzbar.“ Thomas Asmussen hat den Plan für den Neubau bereits fix und fertig in der Schublade liegen. „Der neue Platz kostet mich pro Sau dann nicht mehr 3.000 Euro, sondern eher 10.000 Euro.“

Die Bundesregierung müsse sich deshalb klar zur Schweinehaltung und deren Umgestalltung in Deutschland bekennen und diese dementsprechend fördern. Denn so wie ihm gehe es den meisten Sauenhaltern. Würde nichts passieren, bleibe 5 x D ein Traum, weil zuerst die Sauenhalter wegbrechen.

Die Sauen stehen voll auf Luzerne. Bei Heu ist die Begeisterung längst nicht so groß.

Thomas Asmussen, Sauenhalter

Noch ist er vorsichtig optimistisch, dass der Umbau der Sauenhaltung klappt. Er will als Nächstes die Baugenehmigung in Angriff nehmen. Im neuen Stall könnte Asmussen zum Beispiel dank einer geplanten Kot-Harn-Trennung in allen Bereichen Luzerne als Beschäftigungsfutter anbieten. Von der ist er überzeugt, aber er muss auch feststellen: „Wir sehen keinen monetären Effekt, der sich eindeutig und ausschließlich auf die Luzerne zurückführen lässt.“

Erst mal sei der Einstieg in den Luzerneanbau mit Zusatzkosten und zusätzlicher Arbeit verbunden. „Das ist aber ebenfalls nicht spezifisch für Luzerne. Auch mit Grassilage oder Heu habe ich mehr Arbeit, wenn ich es selbst erzeugen und verarbeiten möchte.“ Da er an der Initiative Tierwohl teilnehme, müsse er seinen Schweinen sowieso schon zusätzlich Raufutter anbieten, die Raufen sind also vorhanden. Ob in denen dann am Ende Heu oder Luzerne lande, dass unterscheide sich im Arbeitsaufwand nicht wirklich.

Luzerne sei einfach ein sehr beliebtes Raufutter, dass von seinen Sauen besser angenommen werde als Heu. Der positive Effekt einer hohen Raufutteraufnahme, unter anderem auf die Darmgesundheit und das allgemeine Wohlbefinden der Schweine, sei nun mal nicht zu unterschätzen – gerade wenn es um den Langschwanz geht oder um neue, zukünftige Haltungsformen. ●

Luzerne: Anbau und Ernte

Auf 1,2 ha startete Thomas Asmussen im September 2020 seinen Versuch, Luzerne im hohen Norden anzubauen. „In unserer Gegend gab es keinerlei Erfahrungen mit Luzerne. Viel habe ich nach Hörensagen ausprobiert und dank der Hilfe meiner süddeutschen Kollegen erarbeitet.“

Eine der Herausforderungen sei die fehlende Anbautechnik. „Beim ersten Versuch ist viel Gras und Raps durchgewachsen. Deshalb haben wir nach der Aussaat der Luzerne noch mal ein Herbizid benutzt. Das war nicht ideal.“

Nach dem ersten Fehlversuch startete Thomas Asmussen im April 2021 erneut durch. Dieses Mal hat der Landwirt zunächst ein Saatbeet hergestellt, den Grünaufwuchs abgewartet und erst dann einmal mit einem Herbizid behandelt. Erst danach hat er die Luzerne reingeschlitzt.

Die Herausforderung ist, den richtigen Saattermin zu finden. Der Boden muss abgetrocknet sein. „Vielleicht war es beim zweiten Versuch etwas zu feucht, aber die Zeit lief uns weg. Am Ende haben wir richtig entschieden, weil es dann im Mai nur geregnet hat.“ Hätte er im April nicht ausgesät, wäre das Jahr verloren gewesen.

So aber konnte Thomas Asmussen im September 2021 den ersten Schnitt machen. 18 Rundballen mit einem Durchmesser von etwa 1,60 m ergab die Ernte. Eine Hälfte der Luzerne wurde mit einem Schneidwerk für die Mast auf 20 bis 30 cm Länge geschnitten. Die Luzerne für die Sauen hat der Landwirt als ganze Pflanze siliert.

Das Mähen, Schwaden, Pressen und Wickeln der Ballen hat ein Lohnunternehmer übernommen. „Die Luzerne ist sehr empfindlich bei der Ernte.“ Sie müsse direkt nach dem Mähen mithilfe eines Bandschwaders in ein Schwad gelegt werden. „Trocknet sie zu sehr an oder wird sie zu oft gewendet, verliert sie alle Blätter und damit an Attraktivität“, sagt Thomas Asmussen. Im Gegensatz dazu könne man Heu häufiger wenden, selbst wenn es mal reingeregnet habe.

Außerdem sei ein bestimmtes Blühstadium ideal und gleichzeitig müsse aber auch das Wetter passen. Das Gefühl für das Wetter sei noch wichtiger. Thomas Asmussen hätte zum Beispiel gerne Heu gemacht, aber dafür gäbe es im September in Schleswig-Holstein zu wenig Sonnenstunden.

Eine weitere Herausforderung seien die Stängel, die er unterschätzt habe. „Sie sind sehr steif und haben die Silofolie einfach durchstochen. Also mussten alle Ballen noch mal nachgewickelt werden.“

Die nächste Frage war, wie hoch die Luzerne in die Winterruhe gehen muss, damit sie den Winter gut übersteht. „Dazu habe ich wieder einen meiner MuD-Kollegen befragt.“ Rechtzeitig vor dem Winter solle man die Luzerne mulchen, damit sie nicht zu stark, aber auch nicht zu schwach in den Winter gehe. „Das haben wir im Oktober getan, sodass sie im Dezember wieder gut 5 cm hoch war.

Zudem hat Thomas Asmussen die Luzerne mit Unterklee gesät. Sie könne drei Jahre lang stehen bleiben und geerntet werden. Danach würden die Erträge einbrechen und man müsse sie neu aussäen.

Der Anbau von Luzerne kann sich auch für Schweinehalter lohnen.

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