Herzgespann – große Bienenweide auf kleiner Fläche

Auch in der Nacht begehrt: Hier saugt ein Nachtfalter am Herzgespann.

Eher unverhofft kam der Samen des Herzgespanns einst von einem benachbarten Blühacker zu uns auf einen Kieshaufen angeflogen und siedelte sich dort schnell an. Die winterharte Staude wird auch Löwenschwanz genannt und kann jährlich von neuem bis zu zwei Meter groß werden. Wenn sie aus dem Boden kommt, sieht sie ein bisschen wie eine Brennnessel aus, jedoch mit weichen Blättern. Später verändert sie ihr Aussehen komplett: Nur die jungen Blätter sind weich, fast flauschig und relativ rundlich, mit gezacktem Rand. Die erwachsene Pflanze schiebt lange Stängel, die bald verholzen. Die Blätter werden dabei länglicher und die Fruchtstände stachelig.

Blüten von Juni bis September

Auch ein Heupferd wohnt hier in den Stängeln des Herzgespanns.

Ab Juni entwickelt sie sich bis in den späten Herbst hinein zu einem Insektenmagnet. Der obere Teil der Stängel ist voll mit kleinen Lippenblüten, die rosa- bis fliederfarben sein können. Es kommen bei guter Wasserversorgung oben immer neue Blüten und Blätter dazu, während die Blüten weiter unten zu Samenständen heranreifen. Auch wenn die Pflanze längerer Trockenheit ausgesetzt ist, bleibt sie aktiv. Sie treibt immer neu aus dem Wurzelstock aus, diese Triebe sind dann wieder weich und hellgrün. Auf unserem Kieshaufen hat die Pflanze wenig Nährstoffe, trotzdem wird sie inzwischen bis zu 2,20 Meter hoch. Mit einem großen Wurzelballen holt sie sich das Wasser auch aus tieferen Schichten und macht die Erde sehr locker. Inzwischen ist sie auch auf dem Komposthaufen angekommen. Dort hat sie bereits viele Samen produziert. Die jungen Pflanzen sind ideal, um sie großzügig an andere Gartenbesitzer oder Imker abzugeben. Einfach mitsamt dem Wurzelballen ausbuddeln und wieder einpflanzen. Die Pflanzen wachsen sehr schnell, sind pflegeleicht und winterhart. Im Sommer brummt die Staude tagsüber, als wäre ein Bienenschwarm darin. Unsere Honigbienen und viele Arten Wildbienen sammeln hier Nektar und Pollen. Wer auch gerne andere Insekten beobachtet, wird hier Freude haben: Von der Schwebfliege bis zum Heupferd ist alles dabei. Auch nachts findet man Bienen, die darauf schlafen, während verschiedene Nachtfalter Nektar saugen. Ist die Pflanze groß genug, nisten sogar kleine Vögel darin.

Pflege: Schnecken sammeln und spät schneiden

Auch im Oktober bildet die Pflanze trotz dürrer Stängel noch neue Triebe mit Blüten.

Nacktschnecken mögen das Herzgespann leider ebenfalls gerne. Wenn ich die Pflanze irgendwo im Garten neu ansiedeln möchte, sollte ich sie anfangs schützen, indem ich die Schnecken absammle. Im zweiten oder dritten Jahr wächst sie meist schneller, als die Schnecken sie fressen können. Am besten pflanzt man sie an einen Platz, der außen herum regelmäßig gemäht wird. Dann kann man die Schnecken reduzieren und das Herzgespann kann sich nicht unkontrolliert ausbreiten. Die Stängel sind hohl und dienen Wildbienen im Winter teils als Nistplätze. Man kann aus ihnen auch Wildbienenhotels bauen. Zurückschneiden sollte man die Pflanze erst im nächsten Frühjahr, ab März. Als Heilkräutertee hat das Herzgespann zudem noch einen gesundheitlichen Nutzen.

Autorin

Adelheid Maria Klein

ist seit 2015 Imkermeisterin und hat die Imkerschule WEISELRICHTIG gegründet, in der Imker sich professionell ausbilden lassen können. Die Ausbildung dort ist eine Alternative zur klassischen Lehre und vermittelt zusätzlich die Grundlagen für den eigenen Erwerbsbetrieb.

Digitale Ausgabe bienen&natur

Holen Sie sich noch mehr wertvolle Fachinfos.
Lesen Sie weiter in der digitalen bienen&natur !

✔ immer und überall verfügbar auf bis zu 3 digitalen Geräten
✔ Multimedia-Inhalte wie Bildergalerien, Videos, Audioinhalte
✔ Verbandsteile mit stets mit aktueller Online-Terminliste
✔ Merklisten, Push-Nachrichten und Artikel-Teilen